Monday, June 30, 2008
Thursday, June 19, 2008
Qualifizierte Arbeitskräfte für Europa
Nachdem die EU gerade ihre Regelungen zur Inhaftierung und Abschiebung von illegalen Migranten verstärkt hat, dürfen diese nun für 1,5 Jahre in den Knast, um über ihr rücksichtsloses Verhalten gegenüber unseren Sozialsystemen nachzudenken. Da seit einiger Zeit der polnische Klempner (er ist eigentlich gar kein polnischer Klempner, sonder ein gut getarnter islamistischer Zuhälter aus der Slowakei) ungestraft herumziehen darf, sollte man wenigstens den Wilden aus der Wüste mit der angemessenen Härte begegnen. Mit Abschiebehaft alleine ist es aber nicht getan. Man muss vor allem die Außengrenzen schützen, damit das Pack verhungert wo es ist und wir nicht ständig die Entsorgungskosten für angespülte Sudanesen tragen müssen. Auf der anderen Seite brauchen wir natürlich Zuwanderung, damit wir genug Schwarzarbeiter haben, die unseren Greisen den Speichel vom Mund wischen ohne dafür allzuviel Lohn zu verlangen. Außerdem ist der internationale Wettbewerb sehr hart, weswegen wir versuchen sollten, den Entwicklungsländern die qualifizierten Kräfte abzujagen. Der Import kompetenter Arbeitskräfte stärkt nicht nur unsere Volkswirtschaft, sonder verhindern gleichzeitig den Aufstieg der Herkunftsländer (Exporteure), da nur die doofen zuhause bleiben.
Seit Anfang 2008 haben ägyptische Grenzsoldaten mindestens 14 Menschen bei ihrem Versuch illegal nach Israel einzureisen erschossen. Natürlich kann man hier argumentieren, dass die Israelis das im Zweifel noch viel besser gekonnt hätten. Israel ist aber hoch entwickelt und wir können nicht darauf bauen, ihre Leute in unserem Land zu begrüßen. Man sollte also ägyptische Grenzsoldaten nach Europa einreisen lassen, da diese ihr Handwerk offenkundig sehr gut verstehen und zudem für ein kurios kleines Gehalt arbeiten. Sie sollten dann die Schulung unserer Grenzeinheiten übernehmen und diese in die hohe Kunst der angewandten Migrationseindämmung (AME) einweisen. Eine gezielte Selektion der Migranten nach klar operationalisierten Leistungsindikatoren. Wachstum und ein gleichzeitiges Ende der Überfremdung. Außerdem weniger Drogendealer und Sittenverfall. Und weniger AIDS und Regen. Illegale Einwanderer legen eine unglaubliche kriminelle Energie an den Tag, wenn sie zunächst 1500 km durch die Wüste laufen und dann auf einer Holzplanke das Mittelmeer überqueren, bevor sie ihre dunklen Kräfte (und Hände) zum pflücken von Gemüse und spülen von schmutzigen Tellern in Europa einsetzten. Daher: Ägyptische Grenzbeamte für die EU!
Sollten Leser dieses bahnbrechenden Vorschlages bei der EU arbeiten, können sie diese Idee gerne in die Papiermaschine einspeisen. Zum Wohle unserer Union verzichte ich auf Geld und Urheberrechte.
Seit Anfang 2008 haben ägyptische Grenzsoldaten mindestens 14 Menschen bei ihrem Versuch illegal nach Israel einzureisen erschossen. Natürlich kann man hier argumentieren, dass die Israelis das im Zweifel noch viel besser gekonnt hätten. Israel ist aber hoch entwickelt und wir können nicht darauf bauen, ihre Leute in unserem Land zu begrüßen. Man sollte also ägyptische Grenzsoldaten nach Europa einreisen lassen, da diese ihr Handwerk offenkundig sehr gut verstehen und zudem für ein kurios kleines Gehalt arbeiten. Sie sollten dann die Schulung unserer Grenzeinheiten übernehmen und diese in die hohe Kunst der angewandten Migrationseindämmung (AME) einweisen. Eine gezielte Selektion der Migranten nach klar operationalisierten Leistungsindikatoren. Wachstum und ein gleichzeitiges Ende der Überfremdung. Außerdem weniger Drogendealer und Sittenverfall. Und weniger AIDS und Regen. Illegale Einwanderer legen eine unglaubliche kriminelle Energie an den Tag, wenn sie zunächst 1500 km durch die Wüste laufen und dann auf einer Holzplanke das Mittelmeer überqueren, bevor sie ihre dunklen Kräfte (und Hände) zum pflücken von Gemüse und spülen von schmutzigen Tellern in Europa einsetzten. Daher: Ägyptische Grenzbeamte für die EU!
Sollten Leser dieses bahnbrechenden Vorschlages bei der EU arbeiten, können sie diese Idee gerne in die Papiermaschine einspeisen. Zum Wohle unserer Union verzichte ich auf Geld und Urheberrechte.
Tuesday, June 3, 2008
Frau! Nein!
Am Fenster stehen und gucken. Das kann er am besten. Kann man was am Besten, wenn es das ist? Zeit vergeht, das tut sie sowieso, die Frage ist, wieviel. Also wie lange. ². Asche fällt runter: Staub, wie alles andere auch. Eiswürfel sind am Ende(,) weder Eis noch Würfel. Andere Dinge behalten nach der Desintegration ihres Seins die (dann) ehemals konstituierenden Gegenständlichkeiten des betitelnden Dualnomennamens bei: Fußnagel (.) spielt nervös an der Leiste. Ich Frage - übersetzte -: "Was geht?" "Nichts, ich häng' mit den Tanten von gegenüber rum" "Cool". Im Quicksilverladen hängt ein Poster. Fünf Frauen in Strandkostüm und Bademoden sehen gut aus.
Auf der Straße, gehen. Weil Bond seinen Kumpel falsch verstanden hat und dachte, dieser käme mit seiner Familie nach Kairo, hat er ihm das Marriot Hotel in Zamalek als Bleibe empfohlen. Das ist unerhört teuer, scheint ihn aber nicht weiter zu stören; wir kommen, um nach den Rechten zu sehen, ob es ihm gut geht, ist er wohl auf, natürlich, es ist ja Nachmittag, wir legen uns besorgt zu ihm an den Pool. Auf dem Weg nach Hause fühlen wir uns wie Strandurlauber. Es ist ruhig im Marriot. Kurze Hosen und Flipflops und Sonnenbrillen sind unisexcool. Wir machen einen Umweg, um zum Handyladen zu gehen und zu fragen, ob ihr Handy fertig ist. Es ist der siebente Ausflug zu diesem Zwecke. Mit ein wenig schlechter Laune mehr geht es nach Hause, vorbei an der großen Mauer. Dahinter ist ein Palast. Davor sitzt ein junger Mann auf einem Mauervorsprung der mich angrinst und seine Sprache spricht, die nicht meine ist, aber ihre (zumindest verwandt, in ägyptischem Dialekt eben) und sie fasst meine Hand. Ich frage -übersetzte- "Sind wir jetzt ein Paar?, falls dem so sein sollte, sei bitte etwas sanfter, ich bin sehr dünn und auch nicht besonders stark, außerdem ist mir nach einem solchen Sonnentag nicht nach..." "Ich fasse deine Hand, damit ich dem Hurensohn nicht die Fresse poliere. Manchmal macht es mich krank. Ich habe doch nichts gemacht." Ein nackter Unterschenkel ist das Markenzeichen der Nutten. Eins von vielen.
Nach einem anstrengenden Tag in Siwa fühlen wir uns wie der Haufen Steine auf dem wir den ganzen Tag rumgekraxelt sind und sogar noch ein bisschen mehr: gesteinigt. Morgen fahren wir in die Wüste und hören uns kurzweilige Geschichten über das Leben mit mehreren Frauen, Beduinengeschichten, an. Das weiß ich jetzt, weil jenes Morgen eins von vielen Gestern ist. Was ist das Leben bunt. So bunt wie unser Tisch, den wir mit Gemüse, Brot, Feetah, kleinen Aufläufen, frisch gepressten Säften und Obst haben decken lassen. Wir lachen; jeder verliert sich mindestens einmal in einer Geschichte, die er niemandem erzählt. Das Paar am Nachbartisch wechselt ein langes Abendessen lang kein Wort. Wir vermuten schwarze Linsen oder Fuul (braun). Vielleicht sind sie auch glücklich. Hoffentlich. Wenigstens sehen sie sich. Auf der Straße, einem Weg so matschig, als hätte jemand Laban, den Erdenkloß, zerquetscht, reitet die Parodie eines Schwarzen Ritters aus dem Drogenjunkiefreakblockbuster. Reiten ist vielleicht nicht ganz richtig. Das Häuflein Mensch sitzt in einem braunen Dschilbab mit einem schwarzen Schleier vor dem Gesicht auf der Ladefläche eines führerlosen Eselwagens. Ich frage: "Kann sie was sehen?" "Nein" "Aber normalerweise ist da doch so ein Netz vor den Augen, durch das man ein wenig sehen kann" "Nein, das ist einfach ein Tuch" (Jaja, brav übersetzt alles). Der Esel trägt die Verantwortung.
Die amerikanische Universität Kairo (AUC) zieht bald von ihrem Standort in Downtown Kairo auf einen neuen Campus: in die Wüste, vor die Stadt. Dann wird sie leichter zu bewachen sein. Die armen Studenten, die für ihr Auslandsjahr herkommen, werden dann zwar nichts mehr vom wunderbar pulsierenden Leben im Zentrum Kairos mitbekommen, aber dafür ist alles neu und sauber. Beim Fortschritt auf den Stil getreten, wie so oft. Auf dem Weg zur Uni sind viele kleine Polizistenhüttchen, so groß wie ein Dixiklo, nur ohne Tür und mit kleinen Fensterchen an den Seiten. Sie stehen auf dem Gehsteig. Vor den Botschaften sind sie in den Landesfarben der zu bewachenden Vertretung bemalt. Haha, lustig bunt! Von der Seite kann man ein bemütztes Männlein sehen. Von vorne kann man ein zweites Männchen sehen, das aber keine Mütze mehr hat, die wurde abgeschnitten, damit das Männlein dem Propheten gleicht. Da bleibt einem die Spucke weg. Zu fragen gibts auch nichts. Das ist eine ziemlich ekelhaft-eindeutige Angelegenheit. Die Kleidung der Studentinnen ist schuld, wie Huren sehen sie aus.
Safarisize. So der Name der Halbliterbierdosen der Firma Luxor. Eins auf der Hand und fünf im Sinn kann man einmal einen Blick in den Raum wagen. Aber halt, vorsicht! Es ist gefährlich, sich mit Mädchen zu unterhalten, wenn man etwas getrunken hat und bei guter Laune ist. Auf der Party sind eine Menge Leute: Deutsche, Franzosen, Ägypter, Briten, Amerikaner, Sudanesen, und viel kunterbuntes. Der Alkohol lößt bekanntermaßen die Zunge. Spar dir deine Spucke, richte kein freundliches Wort an eine Frau, sei es auch bloß um ein freundliches Wort loszuwerden. Sagt man etwas nettes, ist die Unterhaltung vorbei. Die Frauen müssen sich selber schützen. Kein Lächeln, kein erheiterndes Geplänkel. Sonst denkt der Typ noch. Alle. Immer. Es muss ein furchtbares, entnervendes Gefühl sein. Danach fragen kann man nicht. Eine Antwort wäre vertraulich, verfänglich.
Auf der Straße, gehen. Weil Bond seinen Kumpel falsch verstanden hat und dachte, dieser käme mit seiner Familie nach Kairo, hat er ihm das Marriot Hotel in Zamalek als Bleibe empfohlen. Das ist unerhört teuer, scheint ihn aber nicht weiter zu stören; wir kommen, um nach den Rechten zu sehen, ob es ihm gut geht, ist er wohl auf, natürlich, es ist ja Nachmittag, wir legen uns besorgt zu ihm an den Pool. Auf dem Weg nach Hause fühlen wir uns wie Strandurlauber. Es ist ruhig im Marriot. Kurze Hosen und Flipflops und Sonnenbrillen sind unisexcool. Wir machen einen Umweg, um zum Handyladen zu gehen und zu fragen, ob ihr Handy fertig ist. Es ist der siebente Ausflug zu diesem Zwecke. Mit ein wenig schlechter Laune mehr geht es nach Hause, vorbei an der großen Mauer. Dahinter ist ein Palast. Davor sitzt ein junger Mann auf einem Mauervorsprung der mich angrinst und seine Sprache spricht, die nicht meine ist, aber ihre (zumindest verwandt, in ägyptischem Dialekt eben) und sie fasst meine Hand. Ich frage -übersetzte- "Sind wir jetzt ein Paar?, falls dem so sein sollte, sei bitte etwas sanfter, ich bin sehr dünn und auch nicht besonders stark, außerdem ist mir nach einem solchen Sonnentag nicht nach..." "Ich fasse deine Hand, damit ich dem Hurensohn nicht die Fresse poliere. Manchmal macht es mich krank. Ich habe doch nichts gemacht." Ein nackter Unterschenkel ist das Markenzeichen der Nutten. Eins von vielen.
Nach einem anstrengenden Tag in Siwa fühlen wir uns wie der Haufen Steine auf dem wir den ganzen Tag rumgekraxelt sind und sogar noch ein bisschen mehr: gesteinigt. Morgen fahren wir in die Wüste und hören uns kurzweilige Geschichten über das Leben mit mehreren Frauen, Beduinengeschichten, an. Das weiß ich jetzt, weil jenes Morgen eins von vielen Gestern ist. Was ist das Leben bunt. So bunt wie unser Tisch, den wir mit Gemüse, Brot, Feetah, kleinen Aufläufen, frisch gepressten Säften und Obst haben decken lassen. Wir lachen; jeder verliert sich mindestens einmal in einer Geschichte, die er niemandem erzählt. Das Paar am Nachbartisch wechselt ein langes Abendessen lang kein Wort. Wir vermuten schwarze Linsen oder Fuul (braun). Vielleicht sind sie auch glücklich. Hoffentlich. Wenigstens sehen sie sich. Auf der Straße, einem Weg so matschig, als hätte jemand Laban, den Erdenkloß, zerquetscht, reitet die Parodie eines Schwarzen Ritters aus dem Drogenjunkiefreakblockbuster. Reiten ist vielleicht nicht ganz richtig. Das Häuflein Mensch sitzt in einem braunen Dschilbab mit einem schwarzen Schleier vor dem Gesicht auf der Ladefläche eines führerlosen Eselwagens. Ich frage: "Kann sie was sehen?" "Nein" "Aber normalerweise ist da doch so ein Netz vor den Augen, durch das man ein wenig sehen kann" "Nein, das ist einfach ein Tuch" (Jaja, brav übersetzt alles). Der Esel trägt die Verantwortung.
Die amerikanische Universität Kairo (AUC) zieht bald von ihrem Standort in Downtown Kairo auf einen neuen Campus: in die Wüste, vor die Stadt. Dann wird sie leichter zu bewachen sein. Die armen Studenten, die für ihr Auslandsjahr herkommen, werden dann zwar nichts mehr vom wunderbar pulsierenden Leben im Zentrum Kairos mitbekommen, aber dafür ist alles neu und sauber. Beim Fortschritt auf den Stil getreten, wie so oft. Auf dem Weg zur Uni sind viele kleine Polizistenhüttchen, so groß wie ein Dixiklo, nur ohne Tür und mit kleinen Fensterchen an den Seiten. Sie stehen auf dem Gehsteig. Vor den Botschaften sind sie in den Landesfarben der zu bewachenden Vertretung bemalt. Haha, lustig bunt! Von der Seite kann man ein bemütztes Männlein sehen. Von vorne kann man ein zweites Männchen sehen, das aber keine Mütze mehr hat, die wurde abgeschnitten, damit das Männlein dem Propheten gleicht. Da bleibt einem die Spucke weg. Zu fragen gibts auch nichts. Das ist eine ziemlich ekelhaft-eindeutige Angelegenheit. Die Kleidung der Studentinnen ist schuld, wie Huren sehen sie aus.
Safarisize. So der Name der Halbliterbierdosen der Firma Luxor. Eins auf der Hand und fünf im Sinn kann man einmal einen Blick in den Raum wagen. Aber halt, vorsicht! Es ist gefährlich, sich mit Mädchen zu unterhalten, wenn man etwas getrunken hat und bei guter Laune ist. Auf der Party sind eine Menge Leute: Deutsche, Franzosen, Ägypter, Briten, Amerikaner, Sudanesen, und viel kunterbuntes. Der Alkohol lößt bekanntermaßen die Zunge. Spar dir deine Spucke, richte kein freundliches Wort an eine Frau, sei es auch bloß um ein freundliches Wort loszuwerden. Sagt man etwas nettes, ist die Unterhaltung vorbei. Die Frauen müssen sich selber schützen. Kein Lächeln, kein erheiterndes Geplänkel. Sonst denkt der Typ noch. Alle. Immer. Es muss ein furchtbares, entnervendes Gefühl sein. Danach fragen kann man nicht. Eine Antwort wäre vertraulich, verfänglich.
Sunday, June 1, 2008
Hund und Katze
Lebensmittelkrise, hunger (s.u.): Esel, Schwein, Katz und Hund, alles auf den Teller. Zwei der Hauptverdächtigen werden verhaftet, nachdem Kunden aufgrund extrem niedriger Preise misstrauisch wurden. Bisher müssen die beiden nicht mehr als 10 Jahre Gefängnis befürchten. Dazu in der Daily News Egypt vom 31.05.2008: Dean of the Faculty of Humanities at Ain Shams University Dr. Suhair Abdel-Aziz says: "Those traders should be executed in a public square so that they will be an example to those who try to imitate them." Basta!
Sunday, May 18, 2008
Einen Zuber voll mit Spaß oder: Nikki am Nil
Ich sitze am Esstisch und unterhalte mich mit einem Freundesfreund über seinen Plan, nach Süd-China in ein Kung Fu Kloster zu gehen, um richtig kämpfen zu lernen und dann in Kairo eine Tai-Chi-Schule aufzumachen, um Geld zu verdienen und würdige Schüler in echtem Kung-Fu zu unterweisen. So wäre es ihm möglich, seinen Lebensunterhalt mit etwas, das er wirklich liebt zu verdienen, ohne Gefahr zu laufen, den Falschen mit dieser todesgefährlichen Philosophie auszustatten, da ja eigentlich alle Tai-Chi und nur die Auserwählten Kung Fu lernen. Ich beeidrucke ihn mit sinnlosen Zitaten aus diversen Eastern und profunden Kenntnissen über das gewöhnliche Klientel von Tai-Chi Schulen: Hausfrauen und Rentner. Wir reden Deutsch. Er ist Ägypter und Kroate mit schwedischem Pass, der in Österreich groß geworden ist. Ich gewöhne mich also langsam wieder an meine Muttersprache und gehe dann alsbald ein wenig schlafen, um um eins wieder aufzustehen und zum Flughafen zu fahren, wo ein Gast wartet.
Nachts durch Kairo fahren ist etwas wunderbares. Die Straßen sind frei, alle Lichter (außer Autoscheinwerfer) sind an und man fragt sich, wie man die Menschen, die tagsüber die Stadt bevölkern, wohl am geschicktesten in den Häusern stapelt, damit auch jeder einen Platz zum ruhen hat. Der Gedanke führt ins nichts. Man muss darüber aber keineswegs beunruhigt sein: Der Chef des Krämerladens Misr, Muhammad Husni Mubarak, wird es richten. Er richtet alles. Er richtet ein, aus, über, haupt und sowieso.... ""Hallo Joco, schön dich zu sehen! <-> Ja, nicht wahr! <-> Schön!"" Wir fahren Taxi und rauchen eine Zigarette. Ein Zeitvertreib, der profan klingt, aber, vor allem in guter Gesellschaft, durchaus Entzücken, Lebensfreude, Zuversicht, und jede Menge Zerstreuung bietet. Eingeschlafen-ausgeschlafen.
Zur gleichen Zeit, aus einem anderen Land: Zwei Mädels zu besuch. Guten Morgen. Hallo Hallo nice to meet you. AWSOME! Guten Morgen. Könnt ihr bitte Nico mitnehmen? Ich muss arbeiten und Pat auch und so habt ihr einen richtigen Mann an eurer Seite und er hat jemanden, der seinen Willen in die Sprache des hier heimischen Volkes, der Ägypter, translatieren kann. Es soll uns allen zur Freude gereichen und das Leben bunter machen (modern gesprochen: eine Win-Win-Situation). AWSOME!
Nun habe ich Nico schon seit drei Tagen nicht mehr gesehen. Er ritt also zunächst um die Pyramiden, nahm dann die Cairo Ring Road, die noch nicht fertig ist und fiel auf seinem Gaul ins koptische Viertel ein, in dem schon vor einiger Zeit ein berittener Heiliger names Georg zugegen war und, ob nun genau hier oder nicht, einen Drachen besiegte. Den Einfältigen unter den Ägyptern kommt beim Anblick Nicos auf einem Pferd sogleich diese Assoziation und sie beginnen ihn zu lobpreisen, wobei sie außer Acht lassen, das Drachen heute unter Naturschutz stehen und unserem zugereisten Freund nichts ferner liegt, als die Population dieser wunderbaren Familientiere zum bloßen Zwecke religiöser Folklore weiter zu dezimieren. Eine Entscheidung, die Hochachtung verdient, vor allem in Anbetracht des verpassten Ruhmes und der sicheren Anhimmelung durch seine beiden Begleiterinnen, die sich ihm nach einem solchen Akt martialischer Männlichkeit zweifelsohne direkt zuzweitzurFrau hingegeben hätten.
Wie ich höre, zieht er es vor, sich in Alexandria, der Stadt seines Namensvetters Nico-Alexanders's, umzusehen und die Klassifizierung des Leuchtturmes als eines der Sieben Weltwunder auf Aktualität und einige UNESCO-Weltkulturerbeauflagen zu prüfen, um sich nach getaner Arbeit in ein unvorstellbar großes Bett in einem vornehmen Hotelpalast am Mittelmeer zu legen und seine Reisebegleitung beim einschlafen auf den ihnen zugewiesenen Holzschemeln zu verspotten. Am nächsten Tag wird die Bibliothek der Stadt gelesen und die liebsten Textstellen auf der Rückfahrt im Zug, im Tausch gegen Essen seines Sitznachbarn, wieder und wieder rezitiert.
Jetzt machen wir was zusammen! Endlich Wochenende, ab auf den Khan el Khalili, im el Fishawy eine Shisha rauchen und einen frischen Mangosaft genießen. Außerdem ist der Minztee sehr gut. Die großen Spiegel und die kunstvollen Holzvertäfelungen sind für uns genau das richtige Ambiente, um erlebtes zu diskutieren und uns auf zukünftiges zu freuen. Seit über 200 Jahren hat dieses Café nicht mehr geschlossen. Nagib Machfus liebte es. Wenn die beiden Kellner da drüben noch lange an der Elektrik rumfummeln, brennt die Bude bald. Daraufhin ein kurzer Besuch in einem der Clubs der Stadt (ich bringe die Tage durcheinander), dem Purple. Wir haben das Tanzbein zwar mitgebracht, aber es gibt nur Arbeit für den Arschtreter. Lass uns lieber auf den Sinai, da können wir in der Sonne sein und es uns gut gehen lassen.
Eine kurze Busfahrt später packen wir unsere Habseligkeiten in die Hütte und lassen uns von der Ruhe, dem Meer, der Einfachkeit des Ambientes und den netten Gastgebern in einen Zustand der Glückseligkeit versetzten, der auch eine Woche danach bei Bedarf abgerufen werden kann und das Leben schön macht. Am Abend essen wir in einer Burg, schauen auf Saudi-Arabien, rauchen Zigaretten. Es gibt Meeresfrüchte, Lamm, Kalb, Gemüse, Reis, Fisch. Wir schlagen uns den Bauch voll und lachen kräftig. Dina macht uns lachen: Esel, Ratte, Waran, Adler, Wal, Vogelstrauß und so weiter und so fort. Zurück am Wasser ist der Strom bereits abgestellt und Sterne funkeln überall. Es ist ein unverschämtes Glück, ins Bett zu gehen und zu wissen, dass der nächste Tag mindestens genauso schön wird wie der just verlebte. Nach dem Schnorcheln werfen wir (Phil) die Frisbee aufs Dach der Hütte der Besitzer und lassen sie dort, um eine Rückkehr sicherzustellen. Nacht. Dann: im Peugeot 504 mit sieben Sitzen zum Berg, 3750 Stufen rauf, gucken was geht und wieder ins Tal. Es gibt Hühnchen mit Reis, wir sitzen auf Kissen und trinken Tee. Schnorcheln, lesen, Quatsch machen. Nacht. Eingestiegen-ausgestiegen. Kairo.
""Hau rein man. <-> Es war wunderbar!"" Ein Abschluss: schwer zu finden, aber warum auch: Solche Dinge wirken nach.
Nachts durch Kairo fahren ist etwas wunderbares. Die Straßen sind frei, alle Lichter (außer Autoscheinwerfer) sind an und man fragt sich, wie man die Menschen, die tagsüber die Stadt bevölkern, wohl am geschicktesten in den Häusern stapelt, damit auch jeder einen Platz zum ruhen hat. Der Gedanke führt ins nichts. Man muss darüber aber keineswegs beunruhigt sein: Der Chef des Krämerladens Misr, Muhammad Husni Mubarak, wird es richten. Er richtet alles. Er richtet ein, aus, über, haupt und sowieso.... ""Hallo Joco, schön dich zu sehen! <-> Ja, nicht wahr! <-> Schön!"" Wir fahren Taxi und rauchen eine Zigarette. Ein Zeitvertreib, der profan klingt, aber, vor allem in guter Gesellschaft, durchaus Entzücken, Lebensfreude, Zuversicht, und jede Menge Zerstreuung bietet. Eingeschlafen-ausgeschlafen.
Zur gleichen Zeit, aus einem anderen Land: Zwei Mädels zu besuch. Guten Morgen. Hallo Hallo nice to meet you. AWSOME! Guten Morgen. Könnt ihr bitte Nico mitnehmen? Ich muss arbeiten und Pat auch und so habt ihr einen richtigen Mann an eurer Seite und er hat jemanden, der seinen Willen in die Sprache des hier heimischen Volkes, der Ägypter, translatieren kann. Es soll uns allen zur Freude gereichen und das Leben bunter machen (modern gesprochen: eine Win-Win-Situation). AWSOME!
Nun habe ich Nico schon seit drei Tagen nicht mehr gesehen. Er ritt also zunächst um die Pyramiden, nahm dann die Cairo Ring Road, die noch nicht fertig ist und fiel auf seinem Gaul ins koptische Viertel ein, in dem schon vor einiger Zeit ein berittener Heiliger names Georg zugegen war und, ob nun genau hier oder nicht, einen Drachen besiegte. Den Einfältigen unter den Ägyptern kommt beim Anblick Nicos auf einem Pferd sogleich diese Assoziation und sie beginnen ihn zu lobpreisen, wobei sie außer Acht lassen, das Drachen heute unter Naturschutz stehen und unserem zugereisten Freund nichts ferner liegt, als die Population dieser wunderbaren Familientiere zum bloßen Zwecke religiöser Folklore weiter zu dezimieren. Eine Entscheidung, die Hochachtung verdient, vor allem in Anbetracht des verpassten Ruhmes und der sicheren Anhimmelung durch seine beiden Begleiterinnen, die sich ihm nach einem solchen Akt martialischer Männlichkeit zweifelsohne direkt zuzweitzurFrau hingegeben hätten.
Wie ich höre, zieht er es vor, sich in Alexandria, der Stadt seines Namensvetters Nico-Alexanders's, umzusehen und die Klassifizierung des Leuchtturmes als eines der Sieben Weltwunder auf Aktualität und einige UNESCO-Weltkulturerbeauflagen zu prüfen, um sich nach getaner Arbeit in ein unvorstellbar großes Bett in einem vornehmen Hotelpalast am Mittelmeer zu legen und seine Reisebegleitung beim einschlafen auf den ihnen zugewiesenen Holzschemeln zu verspotten. Am nächsten Tag wird die Bibliothek der Stadt gelesen und die liebsten Textstellen auf der Rückfahrt im Zug, im Tausch gegen Essen seines Sitznachbarn, wieder und wieder rezitiert.
Jetzt machen wir was zusammen! Endlich Wochenende, ab auf den Khan el Khalili, im el Fishawy eine Shisha rauchen und einen frischen Mangosaft genießen. Außerdem ist der Minztee sehr gut. Die großen Spiegel und die kunstvollen Holzvertäfelungen sind für uns genau das richtige Ambiente, um erlebtes zu diskutieren und uns auf zukünftiges zu freuen. Seit über 200 Jahren hat dieses Café nicht mehr geschlossen. Nagib Machfus liebte es. Wenn die beiden Kellner da drüben noch lange an der Elektrik rumfummeln, brennt die Bude bald. Daraufhin ein kurzer Besuch in einem der Clubs der Stadt (ich bringe die Tage durcheinander), dem Purple. Wir haben das Tanzbein zwar mitgebracht, aber es gibt nur Arbeit für den Arschtreter. Lass uns lieber auf den Sinai, da können wir in der Sonne sein und es uns gut gehen lassen.
Eine kurze Busfahrt später packen wir unsere Habseligkeiten in die Hütte und lassen uns von der Ruhe, dem Meer, der Einfachkeit des Ambientes und den netten Gastgebern in einen Zustand der Glückseligkeit versetzten, der auch eine Woche danach bei Bedarf abgerufen werden kann und das Leben schön macht. Am Abend essen wir in einer Burg, schauen auf Saudi-Arabien, rauchen Zigaretten. Es gibt Meeresfrüchte, Lamm, Kalb, Gemüse, Reis, Fisch. Wir schlagen uns den Bauch voll und lachen kräftig. Dina macht uns lachen: Esel, Ratte, Waran, Adler, Wal, Vogelstrauß und so weiter und so fort. Zurück am Wasser ist der Strom bereits abgestellt und Sterne funkeln überall. Es ist ein unverschämtes Glück, ins Bett zu gehen und zu wissen, dass der nächste Tag mindestens genauso schön wird wie der just verlebte. Nach dem Schnorcheln werfen wir (Phil) die Frisbee aufs Dach der Hütte der Besitzer und lassen sie dort, um eine Rückkehr sicherzustellen. Nacht. Dann: im Peugeot 504 mit sieben Sitzen zum Berg, 3750 Stufen rauf, gucken was geht und wieder ins Tal. Es gibt Hühnchen mit Reis, wir sitzen auf Kissen und trinken Tee. Schnorcheln, lesen, Quatsch machen. Nacht. Eingestiegen-ausgestiegen. Kairo.
""Hau rein man. <-> Es war wunderbar!"" Ein Abschluss: schwer zu finden, aber warum auch: Solche Dinge wirken nach.
Sunday, May 4, 2008
Personentransport
Früher sind die Leute hier auf Kamelen geritten. Auf großen gemütlichen Kamelen sind sie durch die Wüste geritten und haben Datteln gegessen und dann ein Feuer gemacht und haben dann darauf Tee gekocht und dann gepennt und sind dann wieder aufgestanden um dahin zu reiten, wo sie nunmal hinwollten. Jaakob hat sich als alter Greis in einer ägyptischen Sänfte von Zwei Maultieren von Kaanan nach Kemet tragen lassen, genauer gesagt nach Gosen, wo ihn sein lange verlorener Sohnemann empfing. Dieser wiederum ist auf dem Nil in einer Barke unterwegs: Hinauf in den Süden nach Oberägypten oder hinab nach Unterägypten, im Norden, den Strecken, für die er auch das Boot von Amenhotep, die Barke "Stern beider Länder", häufiger ausgeliehen bekam.
Die Kurzstrecke innerorts wird heute (mit dem Taxi!) mit dem Eselswagen zurückgelegt. Je mehr Menschen dabei den Ort bevölkern, desto unglücklicher blickt der Esel drein. In Kairo sind sie Taxis: Alt, zerüttet, überansprucht. In den Oasen, wie in Siwa oder Bahariyya, eher gemütlich und besser genährt, immer mit dem Wagen am Geschirr. Das ist eine ganz erfreuliche Sache, weil man so immer mal wieder auf einen Eselwagen springen und sich nach Eselslaune irgendwo hinfahren lassen kann. So hat uns ein Esel netterweise von unserem Hotel bis vor die Treppe der Festung von Shali gefahren. Er wäre wohl auch gern noch ein Weilchen länger mit uns unterwegs gewesen, aber sein Besitzer kam uns stockschwingend hinterher! Ein anderer Wagen ist am Abend von den Kindern der Kaufleute erobert worden, die zu zwölft auf der Ladefläche saßen und herrlichen Radau machten, bis die Erwachsenen ihnen den Spaß neideten und sie Heim riefen. In den Beduinendörfern um die Oasenstädte lässt es sich am besten Esel sein. Da kann man mit etwas Geschick das Arbeiten ganz vermeiden, indem man einfach in die Ecke des Dorfes geht, in der keine Menschen sind und rumsteht, Sachen isst und immer trinkt, wenn einem danach ist.
Der Wüstenausflug wird heute im Jeep erledigt. Man kann auch noch Kameltouren machen, aber dazu fehlt die Zeit, weil wir eigentlich immer nur an verlängerten Wochenende unterwegs sind. Auf dem Weg in die Oasen sieht man oft wilde Kamele, die jetzt machen können, was sie wollen und mehr als eine Wüste voll mit Platz haben, der ihnen zur freien Verfügung steht. In der Weißen und der Schwarzen Wüste fährt Khaled, ein unwahrscheinlicher Draufgänger und der älteste Sohn des Hotelbesitzers Badry Khozam. Er weiß genau, wie breit das Auto ist, die Reifen sind, auf denen er unterwegs ist. Die weiße Wüste ist (wunderschön) wie eine große Steinplatte, aus der sowohl kleine Spitze Kanten, wie auch (wunderschön) haushohe, verrückt geschwungene, weiße Felsen ragen, in deren Formen man viele alte Bekannte wiederentdecken kann!
Rund um Siwa fahren uns Hamada und Fayez, zwei Beduinen vom einzigen arabischen Stamm aus der Ecke. Sie sind lebensfrohe Leute mit einem warmen Lächeln und feinen Sinnen. Während in Kairo jedes Wort gegen den Lärm der Stadt geschrien und oft mit einem smogbedingten Husten unterstrichen wird, sprechen die Beduinen ruhig, freundlich, in langen melodischen Sätzen und senken am Ende die Stimme und falten nickend die Hände. Außerdem sind sie schön! Hamada hat ein schmales Gesicht, kleine schwarze Augen und eine etwas längliche Nase, die aber im Bart aufgeht und nicht im geringsten stört. Natürlich sieht man ihnen an, dass sie in Wind, Sand und Sonne leben, aber es wirkt wunderbar, da in der Wüste ja keine Kanten, sondern weich geschwungene Kämme über die Sanddünen führen und ebenso auch die Falten um den Mund und auf der Stirn geformt sind. Wir baden in heißen und in kalten Quellen in der Wüste, die diesmal wirklich eine: eine Sandwüste ist. Pat hat jetzt 12 dicke Berber, mit denen wir in der heißen Quelle waren, als Freunde fürs Leben, weil er beim Werkannamlängstenunterwasserdieluftanhalten eigentlich gewann, sich aber mit allen anderen zusammen einig war, das der alte Achmed gewonnen hat und stürmisch von uns allen zu beglückwünschen ist!
Nach Siwa zu kommen ist ganz leicht. Vorausgesetzt, man hat eine ordentlich Portion Zeit! Mit dem Bus fahren wir nach Marsa Matruh am Mittelmeer, wobei während der sieben Stunden Fahrt abwechselnd trashige Filme auf dem Fernseher oder rauschende Gebete aus der Stereoanlage wackeln. Angekommen trinken wir Tee und gehen etwas Essen. Dann treffen wir Dina, die zuvor ein paar Tage am Strand verbracht hat und die keine Lust auf Busfahren hat. Also fragen wir einen Taxifahrer, was er denn dazu meint und fahren los. 300 km links an der Sonne vorbei und schon ist man dort. Zurück im Bus nach Alexandria. Von dort im Zug, der total ausgebucht ist, was bedeutet, das wir für unsere gemütlichen Sitzplätze im Zug Bakschisch zahlen müssen, was aber absolut in Ordnung ist. In Kairo angekommen, kämpft man sich an den Taxifahrern am Ausgang vorbei, läuft Richtung Straße und läuft an einer alten Frau vorbei, die Mitten im Verkehr steht, von einem Minibus dauerangehupt wird und dabei dreinblickt wie: ein Esel.
Die Kurzstrecke innerorts wird heute (mit dem Taxi!) mit dem Eselswagen zurückgelegt. Je mehr Menschen dabei den Ort bevölkern, desto unglücklicher blickt der Esel drein. In Kairo sind sie Taxis: Alt, zerüttet, überansprucht. In den Oasen, wie in Siwa oder Bahariyya, eher gemütlich und besser genährt, immer mit dem Wagen am Geschirr. Das ist eine ganz erfreuliche Sache, weil man so immer mal wieder auf einen Eselwagen springen und sich nach Eselslaune irgendwo hinfahren lassen kann. So hat uns ein Esel netterweise von unserem Hotel bis vor die Treppe der Festung von Shali gefahren. Er wäre wohl auch gern noch ein Weilchen länger mit uns unterwegs gewesen, aber sein Besitzer kam uns stockschwingend hinterher! Ein anderer Wagen ist am Abend von den Kindern der Kaufleute erobert worden, die zu zwölft auf der Ladefläche saßen und herrlichen Radau machten, bis die Erwachsenen ihnen den Spaß neideten und sie Heim riefen. In den Beduinendörfern um die Oasenstädte lässt es sich am besten Esel sein. Da kann man mit etwas Geschick das Arbeiten ganz vermeiden, indem man einfach in die Ecke des Dorfes geht, in der keine Menschen sind und rumsteht, Sachen isst und immer trinkt, wenn einem danach ist.
Der Wüstenausflug wird heute im Jeep erledigt. Man kann auch noch Kameltouren machen, aber dazu fehlt die Zeit, weil wir eigentlich immer nur an verlängerten Wochenende unterwegs sind. Auf dem Weg in die Oasen sieht man oft wilde Kamele, die jetzt machen können, was sie wollen und mehr als eine Wüste voll mit Platz haben, der ihnen zur freien Verfügung steht. In der Weißen und der Schwarzen Wüste fährt Khaled, ein unwahrscheinlicher Draufgänger und der älteste Sohn des Hotelbesitzers Badry Khozam. Er weiß genau, wie breit das Auto ist, die Reifen sind, auf denen er unterwegs ist. Die weiße Wüste ist (wunderschön) wie eine große Steinplatte, aus der sowohl kleine Spitze Kanten, wie auch (wunderschön) haushohe, verrückt geschwungene, weiße Felsen ragen, in deren Formen man viele alte Bekannte wiederentdecken kann!
Rund um Siwa fahren uns Hamada und Fayez, zwei Beduinen vom einzigen arabischen Stamm aus der Ecke. Sie sind lebensfrohe Leute mit einem warmen Lächeln und feinen Sinnen. Während in Kairo jedes Wort gegen den Lärm der Stadt geschrien und oft mit einem smogbedingten Husten unterstrichen wird, sprechen die Beduinen ruhig, freundlich, in langen melodischen Sätzen und senken am Ende die Stimme und falten nickend die Hände. Außerdem sind sie schön! Hamada hat ein schmales Gesicht, kleine schwarze Augen und eine etwas längliche Nase, die aber im Bart aufgeht und nicht im geringsten stört. Natürlich sieht man ihnen an, dass sie in Wind, Sand und Sonne leben, aber es wirkt wunderbar, da in der Wüste ja keine Kanten, sondern weich geschwungene Kämme über die Sanddünen führen und ebenso auch die Falten um den Mund und auf der Stirn geformt sind. Wir baden in heißen und in kalten Quellen in der Wüste, die diesmal wirklich eine: eine Sandwüste ist. Pat hat jetzt 12 dicke Berber, mit denen wir in der heißen Quelle waren, als Freunde fürs Leben, weil er beim Werkannamlängstenunterwasserdieluftanhalten eigentlich gewann, sich aber mit allen anderen zusammen einig war, das der alte Achmed gewonnen hat und stürmisch von uns allen zu beglückwünschen ist!
Nach Siwa zu kommen ist ganz leicht. Vorausgesetzt, man hat eine ordentlich Portion Zeit! Mit dem Bus fahren wir nach Marsa Matruh am Mittelmeer, wobei während der sieben Stunden Fahrt abwechselnd trashige Filme auf dem Fernseher oder rauschende Gebete aus der Stereoanlage wackeln. Angekommen trinken wir Tee und gehen etwas Essen. Dann treffen wir Dina, die zuvor ein paar Tage am Strand verbracht hat und die keine Lust auf Busfahren hat. Also fragen wir einen Taxifahrer, was er denn dazu meint und fahren los. 300 km links an der Sonne vorbei und schon ist man dort. Zurück im Bus nach Alexandria. Von dort im Zug, der total ausgebucht ist, was bedeutet, das wir für unsere gemütlichen Sitzplätze im Zug Bakschisch zahlen müssen, was aber absolut in Ordnung ist. In Kairo angekommen, kämpft man sich an den Taxifahrern am Ausgang vorbei, läuft Richtung Straße und läuft an einer alten Frau vorbei, die Mitten im Verkehr steht, von einem Minibus dauerangehupt wird und dabei dreinblickt wie: ein Esel.
Sunday, April 27, 2008
Wunder wunder popunder...
Was ich nicht verstehe ist, was der Typ eigentlich mit ihr will. Ich habe ihn noch nie gesehen, aber so wie sie sich hier gibt, wäre es hochgradig erstaunlich, wenn er sonst für sie die Projektionsfläche aufrichtiger und inniger Zuneigung wäre. Zumindest wäre er nicht die einzige. Sie hängt seit einer Weile häufiger bei uns mit in der Wohnung rum. Ursprünglich hat Dr. Chris sie irgendwie kennengelernt, aber nachdem der das Land verlassen hat, kam sie trotzdem immer mal wieder dazu, was darin gipfelte, dass sie eines Nachts mit Dings die Füße zusammenlegte und erst nachdem die Morgensonne über Kairo stand, sich auf eben diesen wieder in Richtung Elternhaus auf den Weg machte. Das ist natürlich ein ganz unerhörtes Betragen für eine junge Ägypterin, vor allem, wenn diese verlobt ist. Ich vermute einfach einmal so in anderer Leute Privatleben hinein, dass ihr diese Verlobung keine Herzensangelegenheit ist.
Ihr schmales und sehr junges Gesicht, das einen eher 18 denn 21 Jahre vermuten lassen würde, ist hübsch und unverschleiert. Ihr Englisch ist tadellos und wenn sie lacht, sieht man weiße Zähne aufblitzen und meist etwas zu große Ohrringe wackeln. Sie besucht eine teure Universität, zu der sie allmorgentlich vom Familienfahrer chauffiert wird, weil sie in Heliopolis wohnt, was ziemlich weit draußen liegt. Sie raucht viele Zigaretten, die sie in dünnen Fingern mit schönen Ringen hält und macht einen erstaunlich schlechten Gin Tonic, der schmeckt, als würde Wodka aus einer russischen Badewanne mit kairiner Leitungswasser und einer Scheibe vergammelter, blasenwerfender, kohlensäuresimulierender Zitrone serviert. Sie ist aufgeweckt und spielt sich viel im Haar; wenn sie etwas erzählt, sind es meistens komische Geschichten über Freunde von ihr, die von uns keiner kennt.
Normalerweise denkt man ja im ersten Moment bei einer solchen Geschichte, dass die unterentwickelte ägyptische Gesellschaft grausam zu ihren Frauen ist und diese, gegen ihren Willen, einem Mann verspricht, der aus einer anderen wichtigen Familie stammt, dadurch das Ansehen der eigenen Sippe gesteigert wird und das Unglück des jungen Mädchens, aus Sicht des Papatriarchen, allemal aufgewogen ist. Das junge Mädchen hat aber einen eigenen Kopf und macht was sie will und stürzt sich so noch tiefer in das eingangs fremdverschuldete Unglück, indem sie sich aus trotz Männern ergibt und ihr Gesicht verliert. Prostitution! Sumpf! Elend! So aber nicht in diesem Fall. Der Verlobte ist kein Ägypter. Er ist ein Westler, was ein ziemlich starkes Argument gegen das der traditionellen Familienzwänge ist, da diese so eine Verbindung nun in der Regel nicht vorsehen.
Eine weitere Möglichkeit wäre, dass sie schon immer auf leichtem Fusse gelebt und körperlichen Freuden gefrönt hat, dabei mit dem jetztigen Verlobten zu weit ging, ihre Unschuld verlor und, um die Familienehre zu retten, diesem Herren zur Frau versprochen wurde, damit die Verbindung im nachhinein vor Gott dem Allmächtigen, wenn nicht als moralisch unbedenklich, so doch zumindest als vertretbar gegolten hätte. Das wäre der normale Lauf der Dinge in einem Land, in dem man zum vorehelichen Sex statt einem Kondom eher einen Verlobungsring mitbringen sollte, bzw. einem Land, indem es die 24 Stunden Hochzeit gibt, um sich vor rechtlichen Konsequenzen beim Bordellbesuch zu schützen. Aber auch diese Variante ist in dem hier betrachteten Fall wenig wahrscheinlich, denn welcher anständige Ägypter würde seiner Tochter schon weitere Eskapaden, wie außerhäusige Übernachtungen und den täglichen Umgang mit der verdorbenen Brut an einer Schnöseluniversität erlauben, wenn ihm die Neigung des eigenen Sproßes zur Sünde doch bereits bewiesen worden ist.
Die letzte Variante, die mir in den Sinn kommt, ist die, in der sich die beiden aus Liebe und freien Stücken in jungen Jahren verlobt haben, sie ihn jetzt nicht mehr mag und deswegen lieber anderweitig Vergnügen sucht. Wenn sie sich aber so leicht und, für ägyptische Verhältnisse, frei, verloben konnten, steht doch einer Entlobung eigentlich nichts im Wege und diese wäre aus ägyptischer Sicht auch allemal anständiger, als den Herren zum Narren zu halten und das Risiko einzugehen, dass dieser sich später hintergangen fühlt und das Verhältnis im Skandal löst, da die Versprochene die Regeln gebrochen hat. Sie sagt aber, dass das Bündnis gültig ist und in einer Ehe enden wird.
Es ist nun sehr schwierig und nicht eigentlich in meinem Interesse diese Geschichte weiter zu verfolgen und eine Antwort auf die Frage zu finden, da die Angelegenheit zum einen natürlich über die Maßen privat und zum anderen ordinär und geschmacklos ist. Aber was ich nicht verstehe, ist, was der Typ eigentlich mit ihr will.
Ihr schmales und sehr junges Gesicht, das einen eher 18 denn 21 Jahre vermuten lassen würde, ist hübsch und unverschleiert. Ihr Englisch ist tadellos und wenn sie lacht, sieht man weiße Zähne aufblitzen und meist etwas zu große Ohrringe wackeln. Sie besucht eine teure Universität, zu der sie allmorgentlich vom Familienfahrer chauffiert wird, weil sie in Heliopolis wohnt, was ziemlich weit draußen liegt. Sie raucht viele Zigaretten, die sie in dünnen Fingern mit schönen Ringen hält und macht einen erstaunlich schlechten Gin Tonic, der schmeckt, als würde Wodka aus einer russischen Badewanne mit kairiner Leitungswasser und einer Scheibe vergammelter, blasenwerfender, kohlensäuresimulierender Zitrone serviert. Sie ist aufgeweckt und spielt sich viel im Haar; wenn sie etwas erzählt, sind es meistens komische Geschichten über Freunde von ihr, die von uns keiner kennt.
Normalerweise denkt man ja im ersten Moment bei einer solchen Geschichte, dass die unterentwickelte ägyptische Gesellschaft grausam zu ihren Frauen ist und diese, gegen ihren Willen, einem Mann verspricht, der aus einer anderen wichtigen Familie stammt, dadurch das Ansehen der eigenen Sippe gesteigert wird und das Unglück des jungen Mädchens, aus Sicht des Papatriarchen, allemal aufgewogen ist. Das junge Mädchen hat aber einen eigenen Kopf und macht was sie will und stürzt sich so noch tiefer in das eingangs fremdverschuldete Unglück, indem sie sich aus trotz Männern ergibt und ihr Gesicht verliert. Prostitution! Sumpf! Elend! So aber nicht in diesem Fall. Der Verlobte ist kein Ägypter. Er ist ein Westler, was ein ziemlich starkes Argument gegen das der traditionellen Familienzwänge ist, da diese so eine Verbindung nun in der Regel nicht vorsehen.
Eine weitere Möglichkeit wäre, dass sie schon immer auf leichtem Fusse gelebt und körperlichen Freuden gefrönt hat, dabei mit dem jetztigen Verlobten zu weit ging, ihre Unschuld verlor und, um die Familienehre zu retten, diesem Herren zur Frau versprochen wurde, damit die Verbindung im nachhinein vor Gott dem Allmächtigen, wenn nicht als moralisch unbedenklich, so doch zumindest als vertretbar gegolten hätte. Das wäre der normale Lauf der Dinge in einem Land, in dem man zum vorehelichen Sex statt einem Kondom eher einen Verlobungsring mitbringen sollte, bzw. einem Land, indem es die 24 Stunden Hochzeit gibt, um sich vor rechtlichen Konsequenzen beim Bordellbesuch zu schützen. Aber auch diese Variante ist in dem hier betrachteten Fall wenig wahrscheinlich, denn welcher anständige Ägypter würde seiner Tochter schon weitere Eskapaden, wie außerhäusige Übernachtungen und den täglichen Umgang mit der verdorbenen Brut an einer Schnöseluniversität erlauben, wenn ihm die Neigung des eigenen Sproßes zur Sünde doch bereits bewiesen worden ist.
Die letzte Variante, die mir in den Sinn kommt, ist die, in der sich die beiden aus Liebe und freien Stücken in jungen Jahren verlobt haben, sie ihn jetzt nicht mehr mag und deswegen lieber anderweitig Vergnügen sucht. Wenn sie sich aber so leicht und, für ägyptische Verhältnisse, frei, verloben konnten, steht doch einer Entlobung eigentlich nichts im Wege und diese wäre aus ägyptischer Sicht auch allemal anständiger, als den Herren zum Narren zu halten und das Risiko einzugehen, dass dieser sich später hintergangen fühlt und das Verhältnis im Skandal löst, da die Versprochene die Regeln gebrochen hat. Sie sagt aber, dass das Bündnis gültig ist und in einer Ehe enden wird.
Es ist nun sehr schwierig und nicht eigentlich in meinem Interesse diese Geschichte weiter zu verfolgen und eine Antwort auf die Frage zu finden, da die Angelegenheit zum einen natürlich über die Maßen privat und zum anderen ordinär und geschmacklos ist. Aber was ich nicht verstehe, ist, was der Typ eigentlich mit ihr will.
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