Monday, June 30, 2008

Elmex is' alle....

ich geh to huus.

Thursday, June 19, 2008

Qualifizierte Arbeitskräfte für Europa

Nachdem die EU gerade ihre Regelungen zur Inhaftierung und Abschiebung von illegalen Migranten verstärkt hat, dürfen diese nun für 1,5 Jahre in den Knast, um über ihr rücksichtsloses Verhalten gegenüber unseren Sozialsystemen nachzudenken. Da seit einiger Zeit der polnische Klempner (er ist eigentlich gar kein polnischer Klempner, sonder ein gut getarnter islamistischer Zuhälter aus der Slowakei) ungestraft herumziehen darf, sollte man wenigstens den Wilden aus der Wüste mit der angemessenen Härte begegnen. Mit Abschiebehaft alleine ist es aber nicht getan. Man muss vor allem die Außengrenzen schützen, damit das Pack verhungert wo es ist und wir nicht ständig die Entsorgungskosten für angespülte Sudanesen tragen müssen. Auf der anderen Seite brauchen wir natürlich Zuwanderung, damit wir genug Schwarzarbeiter haben, die unseren Greisen den Speichel vom Mund wischen ohne dafür allzuviel Lohn zu verlangen. Außerdem ist der internationale Wettbewerb sehr hart, weswegen wir versuchen sollten, den Entwicklungsländern die qualifizierten Kräfte abzujagen. Der Import kompetenter Arbeitskräfte stärkt nicht nur unsere Volkswirtschaft, sonder verhindern gleichzeitig den Aufstieg der Herkunftsländer (Exporteure), da nur die doofen zuhause bleiben.

Seit Anfang 2008 haben ägyptische Grenzsoldaten mindestens 14 Menschen bei ihrem Versuch illegal nach Israel einzureisen erschossen. Natürlich kann man hier argumentieren, dass die Israelis das im Zweifel noch viel besser gekonnt hätten. Israel ist aber hoch entwickelt und wir können nicht darauf bauen, ihre Leute in unserem Land zu begrüßen. Man sollte also ägyptische Grenzsoldaten nach Europa einreisen lassen, da diese ihr Handwerk offenkundig sehr gut verstehen und zudem für ein kurios kleines Gehalt arbeiten. Sie sollten dann die Schulung unserer Grenzeinheiten übernehmen und diese in die hohe Kunst der angewandten Migrationseindämmung (AME) einweisen. Eine gezielte Selektion der Migranten nach klar operationalisierten Leistungsindikatoren. Wachstum und ein gleichzeitiges Ende der Überfremdung. Außerdem weniger Drogendealer und Sittenverfall. Und weniger AIDS und Regen. Illegale Einwanderer legen eine unglaubliche kriminelle Energie an den Tag, wenn sie zunächst 1500 km durch die Wüste laufen und dann auf einer Holzplanke das Mittelmeer überqueren, bevor sie ihre dunklen Kräfte (und Hände) zum pflücken von Gemüse und spülen von schmutzigen Tellern in Europa einsetzten. Daher: Ägyptische Grenzbeamte für die EU!

Sollten Leser dieses bahnbrechenden Vorschlages bei der EU arbeiten, können sie diese Idee gerne in die Papiermaschine einspeisen. Zum Wohle unserer Union verzichte ich auf Geld und Urheberrechte.

Tuesday, June 3, 2008

Frau! Nein!

Am Fenster stehen und gucken. Das kann er am besten. Kann man was am Besten, wenn es das ist? Zeit vergeht, das tut sie sowieso, die Frage ist, wieviel. Also wie lange. ². Asche fällt runter: Staub, wie alles andere auch. Eiswürfel sind am Ende(,) weder Eis noch Würfel. Andere Dinge behalten nach der Desintegration ihres Seins die (dann) ehemals konstituierenden Gegenständlichkeiten des betitelnden Dualnomennamens bei: Fußnagel (.) spielt nervös an der Leiste. Ich Frage - übersetzte -: "Was geht?" "Nichts, ich häng' mit den Tanten von gegenüber rum" "Cool". Im Quicksilverladen hängt ein Poster. Fünf Frauen in Strandkostüm und Bademoden sehen gut aus.

Auf der Straße, gehen. Weil Bond seinen Kumpel falsch verstanden hat und dachte, dieser käme mit seiner Familie nach Kairo, hat er ihm das Marriot Hotel in Zamalek als Bleibe empfohlen. Das ist unerhört teuer, scheint ihn aber nicht weiter zu stören; wir kommen, um nach den Rechten zu sehen, ob es ihm gut geht, ist er wohl auf, natürlich, es ist ja Nachmittag, wir legen uns besorgt zu ihm an den Pool. Auf dem Weg nach Hause fühlen wir uns wie Strandurlauber. Es ist ruhig im Marriot. Kurze Hosen und Flipflops und Sonnenbrillen sind unisexcool. Wir machen einen Umweg, um zum Handyladen zu gehen und zu fragen, ob ihr Handy fertig ist. Es ist der siebente Ausflug zu diesem Zwecke. Mit ein wenig schlechter Laune mehr geht es nach Hause, vorbei an der großen Mauer. Dahinter ist ein Palast. Davor sitzt ein junger Mann auf einem Mauervorsprung der mich angrinst und seine Sprache spricht, die nicht meine ist, aber ihre (zumindest verwandt, in ägyptischem Dialekt eben) und sie fasst meine Hand. Ich frage -übersetzte- "Sind wir jetzt ein Paar?, falls dem so sein sollte, sei bitte etwas sanfter, ich bin sehr dünn und auch nicht besonders stark, außerdem ist mir nach einem solchen Sonnentag nicht nach..." "Ich fasse deine Hand, damit ich dem Hurensohn nicht die Fresse poliere. Manchmal macht es mich krank. Ich habe doch nichts gemacht." Ein nackter Unterschenkel ist das Markenzeichen der Nutten. Eins von vielen.

Nach einem anstrengenden Tag in Siwa fühlen wir uns wie der Haufen Steine auf dem wir den ganzen Tag rumgekraxelt sind und sogar noch ein bisschen mehr: gesteinigt. Morgen fahren wir in die Wüste und hören uns kurzweilige Geschichten über das Leben mit mehreren Frauen, Beduinengeschichten, an. Das weiß ich jetzt, weil jenes Morgen eins von vielen Gestern ist. Was ist das Leben bunt. So bunt wie unser Tisch, den wir mit Gemüse, Brot, Feetah, kleinen Aufläufen, frisch gepressten Säften und Obst haben decken lassen. Wir lachen; jeder verliert sich mindestens einmal in einer Geschichte, die er niemandem erzählt. Das Paar am Nachbartisch wechselt ein langes Abendessen lang kein Wort. Wir vermuten schwarze Linsen oder Fuul (braun). Vielleicht sind sie auch glücklich. Hoffentlich. Wenigstens sehen sie sich. Auf der Straße, einem Weg so matschig, als hätte jemand Laban, den Erdenkloß, zerquetscht, reitet die Parodie eines Schwarzen Ritters aus dem Drogenjunkiefreakblockbuster. Reiten ist vielleicht nicht ganz richtig. Das Häuflein Mensch sitzt in einem braunen Dschilbab mit einem schwarzen Schleier vor dem Gesicht auf der Ladefläche eines führerlosen Eselwagens. Ich frage: "Kann sie was sehen?" "Nein" "Aber normalerweise ist da doch so ein Netz vor den Augen, durch das man ein wenig sehen kann" "Nein, das ist einfach ein Tuch" (Jaja, brav übersetzt alles). Der Esel trägt die Verantwortung.

Die amerikanische Universität Kairo (AUC) zieht bald von ihrem Standort in Downtown Kairo auf einen neuen Campus: in die Wüste, vor die Stadt. Dann wird sie leichter zu bewachen sein. Die armen Studenten, die für ihr Auslandsjahr herkommen, werden dann zwar nichts mehr vom wunderbar pulsierenden Leben im Zentrum Kairos mitbekommen, aber dafür ist alles neu und sauber. Beim Fortschritt auf den Stil getreten, wie so oft. Auf dem Weg zur Uni sind viele kleine Polizistenhüttchen, so groß wie ein Dixiklo, nur ohne Tür und mit kleinen Fensterchen an den Seiten. Sie stehen auf dem Gehsteig. Vor den Botschaften sind sie in den Landesfarben der zu bewachenden Vertretung bemalt. Haha, lustig bunt! Von der Seite kann man ein bemütztes Männlein sehen. Von vorne kann man ein zweites Männchen sehen, das aber keine Mütze mehr hat, die wurde abgeschnitten, damit das Männlein dem Propheten gleicht. Da bleibt einem die Spucke weg. Zu fragen gibts auch nichts. Das ist eine ziemlich ekelhaft-eindeutige Angelegenheit. Die Kleidung der Studentinnen ist schuld, wie Huren sehen sie aus.

Safarisize. So der Name der Halbliterbierdosen der Firma Luxor. Eins auf der Hand und fünf im Sinn kann man einmal einen Blick in den Raum wagen. Aber halt, vorsicht! Es ist gefährlich, sich mit Mädchen zu unterhalten, wenn man etwas getrunken hat und bei guter Laune ist. Auf der Party sind eine Menge Leute: Deutsche, Franzosen, Ägypter, Briten, Amerikaner, Sudanesen, und viel kunterbuntes. Der Alkohol lößt bekanntermaßen die Zunge. Spar dir deine Spucke, richte kein freundliches Wort an eine Frau, sei es auch bloß um ein freundliches Wort loszuwerden. Sagt man etwas nettes, ist die Unterhaltung vorbei. Die Frauen müssen sich selber schützen. Kein Lächeln, kein erheiterndes Geplänkel. Sonst denkt der Typ noch. Alle. Immer. Es muss ein furchtbares, entnervendes Gefühl sein. Danach fragen kann man nicht. Eine Antwort wäre vertraulich, verfänglich.

Sunday, June 1, 2008

Hund und Katze

Lebensmittelkrise, hunger (s.u.): Esel, Schwein, Katz und Hund, alles auf den Teller. Zwei der Hauptverdächtigen werden verhaftet, nachdem Kunden aufgrund extrem niedriger Preise misstrauisch wurden. Bisher müssen die beiden nicht mehr als 10 Jahre Gefängnis befürchten. Dazu in der Daily News Egypt vom 31.05.2008: Dean of the Faculty of Humanities at Ain Shams University Dr. Suhair Abdel-Aziz says: "Those traders should be executed in a public square so that they will be an example to those who try to imitate them." Basta!

Sunday, May 18, 2008

Einen Zuber voll mit Spaß oder: Nikki am Nil

Ich sitze am Esstisch und unterhalte mich mit einem Freundesfreund über seinen Plan, nach Süd-China in ein Kung Fu Kloster zu gehen, um richtig kämpfen zu lernen und dann in Kairo eine Tai-Chi-Schule aufzumachen, um Geld zu verdienen und würdige Schüler in echtem Kung-Fu zu unterweisen. So wäre es ihm möglich, seinen Lebensunterhalt mit etwas, das er wirklich liebt zu verdienen, ohne Gefahr zu laufen, den Falschen mit dieser todesgefährlichen Philosophie auszustatten, da ja eigentlich alle Tai-Chi und nur die Auserwählten Kung Fu lernen. Ich beeidrucke ihn mit sinnlosen Zitaten aus diversen Eastern und profunden Kenntnissen über das gewöhnliche Klientel von Tai-Chi Schulen: Hausfrauen und Rentner. Wir reden Deutsch. Er ist Ägypter und Kroate mit schwedischem Pass, der in Österreich groß geworden ist. Ich gewöhne mich also langsam wieder an meine Muttersprache und gehe dann alsbald ein wenig schlafen, um um eins wieder aufzustehen und zum Flughafen zu fahren, wo ein Gast wartet.

Nachts durch Kairo fahren ist etwas wunderbares. Die Straßen sind frei, alle Lichter (außer Autoscheinwerfer) sind an und man fragt sich, wie man die Menschen, die tagsüber die Stadt bevölkern, wohl am geschicktesten in den Häusern stapelt, damit auch jeder einen Platz zum ruhen hat. Der Gedanke führt ins nichts. Man muss darüber aber keineswegs beunruhigt sein: Der Chef des Krämerladens Misr, Muhammad Husni Mubarak, wird es richten. Er richtet alles. Er richtet ein, aus, über, haupt und sowieso.... ""Hallo Joco, schön dich zu sehen! <-> Ja, nicht wahr! <-> Schön!"" Wir fahren Taxi und rauchen eine Zigarette. Ein Zeitvertreib, der profan klingt, aber, vor allem in guter Gesellschaft, durchaus Entzücken, Lebensfreude, Zuversicht, und jede Menge Zerstreuung bietet. Eingeschlafen-ausgeschlafen.

Zur gleichen Zeit, aus einem anderen Land: Zwei Mädels zu besuch. Guten Morgen. Hallo Hallo nice to meet you. AWSOME! Guten Morgen. Könnt ihr bitte Nico mitnehmen? Ich muss arbeiten und Pat auch und so habt ihr einen richtigen Mann an eurer Seite und er hat jemanden, der seinen Willen in die Sprache des hier heimischen Volkes, der Ägypter, translatieren kann. Es soll uns allen zur Freude gereichen und das Leben bunter machen (modern gesprochen: eine Win-Win-Situation). AWSOME!

Nun habe ich Nico schon seit drei Tagen nicht mehr gesehen. Er ritt also zunächst um die Pyramiden, nahm dann die Cairo Ring Road, die noch nicht fertig ist und fiel auf seinem Gaul ins koptische Viertel ein, in dem schon vor einiger Zeit ein berittener Heiliger names Georg zugegen war und, ob nun genau hier oder nicht, einen Drachen besiegte. Den Einfältigen unter den Ägyptern kommt beim Anblick Nicos auf einem Pferd sogleich diese Assoziation und sie beginnen ihn zu lobpreisen, wobei sie außer Acht lassen, das Drachen heute unter Naturschutz stehen und unserem zugereisten Freund nichts ferner liegt, als die Population dieser wunderbaren Familientiere zum bloßen Zwecke religiöser Folklore weiter zu dezimieren. Eine Entscheidung, die Hochachtung verdient, vor allem in Anbetracht des verpassten Ruhmes und der sicheren Anhimmelung durch seine beiden Begleiterinnen, die sich ihm nach einem solchen Akt martialischer Männlichkeit zweifelsohne direkt zuzweitzurFrau hingegeben hätten.

Wie ich höre, zieht er es vor, sich in Alexandria, der Stadt seines Namensvetters Nico-Alexanders's, umzusehen und die Klassifizierung des Leuchtturmes als eines der Sieben Weltwunder auf Aktualität und einige UNESCO-Weltkulturerbeauflagen zu prüfen, um sich nach getaner Arbeit in ein unvorstellbar großes Bett in einem vornehmen Hotelpalast am Mittelmeer zu legen und seine Reisebegleitung beim einschlafen auf den ihnen zugewiesenen Holzschemeln zu verspotten. Am nächsten Tag wird die Bibliothek der Stadt gelesen und die liebsten Textstellen auf der Rückfahrt im Zug, im Tausch gegen Essen seines Sitznachbarn, wieder und wieder rezitiert.

Jetzt machen wir was zusammen! Endlich Wochenende, ab auf den Khan el Khalili, im el Fishawy eine Shisha rauchen und einen frischen Mangosaft genießen. Außerdem ist der Minztee sehr gut. Die großen Spiegel und die kunstvollen Holzvertäfelungen sind für uns genau das richtige Ambiente, um erlebtes zu diskutieren und uns auf zukünftiges zu freuen. Seit über 200 Jahren hat dieses Café nicht mehr geschlossen. Nagib Machfus liebte es. Wenn die beiden Kellner da drüben noch lange an der Elektrik rumfummeln, brennt die Bude bald. Daraufhin ein kurzer Besuch in einem der Clubs der Stadt (ich bringe die Tage durcheinander), dem Purple. Wir haben das Tanzbein zwar mitgebracht, aber es gibt nur Arbeit für den Arschtreter. Lass uns lieber auf den Sinai, da können wir in der Sonne sein und es uns gut gehen lassen.

Eine kurze Busfahrt später packen wir unsere Habseligkeiten in die Hütte und lassen uns von der Ruhe, dem Meer, der Einfachkeit des Ambientes und den netten Gastgebern in einen Zustand der Glückseligkeit versetzten, der auch eine Woche danach bei Bedarf abgerufen werden kann und das Leben schön macht. Am Abend essen wir in einer Burg, schauen auf Saudi-Arabien, rauchen Zigaretten. Es gibt Meeresfrüchte, Lamm, Kalb, Gemüse, Reis, Fisch. Wir schlagen uns den Bauch voll und lachen kräftig. Dina macht uns lachen: Esel, Ratte, Waran, Adler, Wal, Vogelstrauß und so weiter und so fort. Zurück am Wasser ist der Strom bereits abgestellt und Sterne funkeln überall. Es ist ein unverschämtes Glück, ins Bett zu gehen und zu wissen, dass der nächste Tag mindestens genauso schön wird wie der just verlebte. Nach dem Schnorcheln werfen wir (Phil) die Frisbee aufs Dach der Hütte der Besitzer und lassen sie dort, um eine Rückkehr sicherzustellen. Nacht. Dann: im Peugeot 504 mit sieben Sitzen zum Berg, 3750 Stufen rauf, gucken was geht und wieder ins Tal. Es gibt Hühnchen mit Reis, wir sitzen auf Kissen und trinken Tee. Schnorcheln, lesen, Quatsch machen. Nacht. Eingestiegen-ausgestiegen. Kairo.

""Hau rein man. <-> Es war wunderbar!"" Ein Abschluss: schwer zu finden, aber warum auch: Solche Dinge wirken nach.

Sunday, May 4, 2008

Personentransport

Früher sind die Leute hier auf Kamelen geritten. Auf großen gemütlichen Kamelen sind sie durch die Wüste geritten und haben Datteln gegessen und dann ein Feuer gemacht und haben dann darauf Tee gekocht und dann gepennt und sind dann wieder aufgestanden um dahin zu reiten, wo sie nunmal hinwollten. Jaakob hat sich als alter Greis in einer ägyptischen Sänfte von Zwei Maultieren von Kaanan nach Kemet tragen lassen, genauer gesagt nach Gosen, wo ihn sein lange verlorener Sohnemann empfing. Dieser wiederum ist auf dem Nil in einer Barke unterwegs: Hinauf in den Süden nach Oberägypten oder hinab nach Unterägypten, im Norden, den Strecken, für die er auch das Boot von Amenhotep, die Barke "Stern beider Länder", häufiger ausgeliehen bekam.

Die Kurzstrecke innerorts wird heute (mit dem Taxi!) mit dem Eselswagen zurückgelegt. Je mehr Menschen dabei den Ort bevölkern, desto unglücklicher blickt der Esel drein. In Kairo sind sie Taxis: Alt, zerüttet, überansprucht. In den Oasen, wie in Siwa oder Bahariyya, eher gemütlich und besser genährt, immer mit dem Wagen am Geschirr. Das ist eine ganz erfreuliche Sache, weil man so immer mal wieder auf einen Eselwagen springen und sich nach Eselslaune irgendwo hinfahren lassen kann. So hat uns ein Esel netterweise von unserem Hotel bis vor die Treppe der Festung von Shali gefahren. Er wäre wohl auch gern noch ein Weilchen länger mit uns unterwegs gewesen, aber sein Besitzer kam uns stockschwingend hinterher! Ein anderer Wagen ist am Abend von den Kindern der Kaufleute erobert worden, die zu zwölft auf der Ladefläche saßen und herrlichen Radau machten, bis die Erwachsenen ihnen den Spaß neideten und sie Heim riefen. In den Beduinendörfern um die Oasenstädte lässt es sich am besten Esel sein. Da kann man mit etwas Geschick das Arbeiten ganz vermeiden, indem man einfach in die Ecke des Dorfes geht, in der keine Menschen sind und rumsteht, Sachen isst und immer trinkt, wenn einem danach ist.

Der Wüstenausflug wird heute im Jeep erledigt. Man kann auch noch Kameltouren machen, aber dazu fehlt die Zeit, weil wir eigentlich immer nur an verlängerten Wochenende unterwegs sind. Auf dem Weg in die Oasen sieht man oft wilde Kamele, die jetzt machen können, was sie wollen und mehr als eine Wüste voll mit Platz haben, der ihnen zur freien Verfügung steht. In der Weißen und der Schwarzen Wüste fährt Khaled, ein unwahrscheinlicher Draufgänger und der älteste Sohn des Hotelbesitzers Badry Khozam. Er weiß genau, wie breit das Auto ist, die Reifen sind, auf denen er unterwegs ist. Die weiße Wüste ist (wunderschön) wie eine große Steinplatte, aus der sowohl kleine Spitze Kanten, wie auch (wunderschön) haushohe, verrückt geschwungene, weiße Felsen ragen, in deren Formen man viele alte Bekannte wiederentdecken kann!

Rund um Siwa fahren uns Hamada und Fayez, zwei Beduinen vom einzigen arabischen Stamm aus der Ecke. Sie sind lebensfrohe Leute mit einem warmen Lächeln und feinen Sinnen. Während in Kairo jedes Wort gegen den Lärm der Stadt geschrien und oft mit einem smogbedingten Husten unterstrichen wird, sprechen die Beduinen ruhig, freundlich, in langen melodischen Sätzen und senken am Ende die Stimme und falten nickend die Hände. Außerdem sind sie schön! Hamada hat ein schmales Gesicht, kleine schwarze Augen und eine etwas längliche Nase, die aber im Bart aufgeht und nicht im geringsten stört. Natürlich sieht man ihnen an, dass sie in Wind, Sand und Sonne leben, aber es wirkt wunderbar, da in der Wüste ja keine Kanten, sondern weich geschwungene Kämme über die Sanddünen führen und ebenso auch die Falten um den Mund und auf der Stirn geformt sind. Wir baden in heißen und in kalten Quellen in der Wüste, die diesmal wirklich eine: eine Sandwüste ist. Pat hat jetzt 12 dicke Berber, mit denen wir in der heißen Quelle waren, als Freunde fürs Leben, weil er beim Werkannamlängstenunterwasserdieluftanhalten eigentlich gewann, sich aber mit allen anderen zusammen einig war, das der alte Achmed gewonnen hat und stürmisch von uns allen zu beglückwünschen ist!

Nach Siwa zu kommen ist ganz leicht. Vorausgesetzt, man hat eine ordentlich Portion Zeit! Mit dem Bus fahren wir nach Marsa Matruh am Mittelmeer, wobei während der sieben Stunden Fahrt abwechselnd trashige Filme auf dem Fernseher oder rauschende Gebete aus der Stereoanlage wackeln. Angekommen trinken wir Tee und gehen etwas Essen. Dann treffen wir Dina, die zuvor ein paar Tage am Strand verbracht hat und die keine Lust auf Busfahren hat. Also fragen wir einen Taxifahrer, was er denn dazu meint und fahren los. 300 km links an der Sonne vorbei und schon ist man dort. Zurück im Bus nach Alexandria. Von dort im Zug, der total ausgebucht ist, was bedeutet, das wir für unsere gemütlichen Sitzplätze im Zug Bakschisch zahlen müssen, was aber absolut in Ordnung ist. In Kairo angekommen, kämpft man sich an den Taxifahrern am Ausgang vorbei, läuft Richtung Straße und läuft an einer alten Frau vorbei, die Mitten im Verkehr steht, von einem Minibus dauerangehupt wird und dabei dreinblickt wie: ein Esel.

Sunday, April 27, 2008

Wunder wunder popunder...

Was ich nicht verstehe ist, was der Typ eigentlich mit ihr will. Ich habe ihn noch nie gesehen, aber so wie sie sich hier gibt, wäre es hochgradig erstaunlich, wenn er sonst für sie die Projektionsfläche aufrichtiger und inniger Zuneigung wäre. Zumindest wäre er nicht die einzige. Sie hängt seit einer Weile häufiger bei uns mit in der Wohnung rum. Ursprünglich hat Dr. Chris sie irgendwie kennengelernt, aber nachdem der das Land verlassen hat, kam sie trotzdem immer mal wieder dazu, was darin gipfelte, dass sie eines Nachts mit Dings die Füße zusammenlegte und erst nachdem die Morgensonne über Kairo stand, sich auf eben diesen wieder in Richtung Elternhaus auf den Weg machte. Das ist natürlich ein ganz unerhörtes Betragen für eine junge Ägypterin, vor allem, wenn diese verlobt ist. Ich vermute einfach einmal so in anderer Leute Privatleben hinein, dass ihr diese Verlobung keine Herzensangelegenheit ist.

Ihr schmales und sehr junges Gesicht, das einen eher 18 denn 21 Jahre vermuten lassen würde, ist hübsch und unverschleiert. Ihr Englisch ist tadellos und wenn sie lacht, sieht man weiße Zähne aufblitzen und meist etwas zu große Ohrringe wackeln. Sie besucht eine teure Universität, zu der sie allmorgentlich vom Familienfahrer chauffiert wird, weil sie in Heliopolis wohnt, was ziemlich weit draußen liegt. Sie raucht viele Zigaretten, die sie in dünnen Fingern mit schönen Ringen hält und macht einen erstaunlich schlechten Gin Tonic, der schmeckt, als würde Wodka aus einer russischen Badewanne mit kairiner Leitungswasser und einer Scheibe vergammelter, blasenwerfender, kohlensäuresimulierender Zitrone serviert. Sie ist aufgeweckt und spielt sich viel im Haar; wenn sie etwas erzählt, sind es meistens komische Geschichten über Freunde von ihr, die von uns keiner kennt.

Normalerweise denkt man ja im ersten Moment bei einer solchen Geschichte, dass die unterentwickelte ägyptische Gesellschaft grausam zu ihren Frauen ist und diese, gegen ihren Willen, einem Mann verspricht, der aus einer anderen wichtigen Familie stammt, dadurch das Ansehen der eigenen Sippe gesteigert wird und das Unglück des jungen Mädchens, aus Sicht des Papatriarchen, allemal aufgewogen ist. Das junge Mädchen hat aber einen eigenen Kopf und macht was sie will und stürzt sich so noch tiefer in das eingangs fremdverschuldete Unglück, indem sie sich aus trotz Männern ergibt und ihr Gesicht verliert. Prostitution! Sumpf! Elend! So aber nicht in diesem Fall. Der Verlobte ist kein Ägypter. Er ist ein Westler, was ein ziemlich starkes Argument gegen das der traditionellen Familienzwänge ist, da diese so eine Verbindung nun in der Regel nicht vorsehen.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass sie schon immer auf leichtem Fusse gelebt und körperlichen Freuden gefrönt hat, dabei mit dem jetztigen Verlobten zu weit ging, ihre Unschuld verlor und, um die Familienehre zu retten, diesem Herren zur Frau versprochen wurde, damit die Verbindung im nachhinein vor Gott dem Allmächtigen, wenn nicht als moralisch unbedenklich, so doch zumindest als vertretbar gegolten hätte. Das wäre der normale Lauf der Dinge in einem Land, in dem man zum vorehelichen Sex statt einem Kondom eher einen Verlobungsring mitbringen sollte, bzw. einem Land, indem es die 24 Stunden Hochzeit gibt, um sich vor rechtlichen Konsequenzen beim Bordellbesuch zu schützen. Aber auch diese Variante ist in dem hier betrachteten Fall wenig wahrscheinlich, denn welcher anständige Ägypter würde seiner Tochter schon weitere Eskapaden, wie außerhäusige Übernachtungen und den täglichen Umgang mit der verdorbenen Brut an einer Schnöseluniversität erlauben, wenn ihm die Neigung des eigenen Sproßes zur Sünde doch bereits bewiesen worden ist.

Die letzte Variante, die mir in den Sinn kommt, ist die, in der sich die beiden aus Liebe und freien Stücken in jungen Jahren verlobt haben, sie ihn jetzt nicht mehr mag und deswegen lieber anderweitig Vergnügen sucht. Wenn sie sich aber so leicht und, für ägyptische Verhältnisse, frei, verloben konnten, steht doch einer Entlobung eigentlich nichts im Wege und diese wäre aus ägyptischer Sicht auch allemal anständiger, als den Herren zum Narren zu halten und das Risiko einzugehen, dass dieser sich später hintergangen fühlt und das Verhältnis im Skandal löst, da die Versprochene die Regeln gebrochen hat. Sie sagt aber, dass das Bündnis gültig ist und in einer Ehe enden wird.

Es ist nun sehr schwierig und nicht eigentlich in meinem Interesse diese Geschichte weiter zu verfolgen und eine Antwort auf die Frage zu finden, da die Angelegenheit zum einen natürlich über die Maßen privat und zum anderen ordinär und geschmacklos ist. Aber was ich nicht verstehe, ist, was der Typ eigentlich mit ihr will.

Friday, April 18, 2008

Hunger!

Die Schlange vor der Baeckerei ist so ungewoenlich lang, das jeder der sie sieht denkt, er sei am Samstage des Osterwochenendes bei Baecker Hansen in der Wedeler Landstrasse, um Brot zu kaufen. Dann naehmlich, wenn das ganze Dorf sich mit Omabroetchen, Schwarzbrot und, weil erst am Dienstag wieder eingekauft werden kann, sogar mit Graubrot eindeckt, damit die Tage schoen beginnen, bei Brot und Tee und Osterei. Am Ende der Schlange, weit auf der Strasse, steht eine alte Frau, die es schwer hat, weil die Jungen draengeln und bruellen und die Haende strecken und gieren. Die Baeckerei ist eine von 800, die die Armen in Kairo mit Brot aus subventioniertem Getreide versorgen soll, auf das der Hunger nicht Ueberhand nimmt und der Volkszorn nicht zur Revolution werde. Das meiste von dem Getreide wird von den Baeckereien gleich wieder auf dem Schwarzmarkt verkauft, mit herrlichem Gewinn, der jedes Kaufmannsherz hoeher schlagen laesst. Eine schwarze Mercedes S-Klasse braust heran, sodass die Frau als weiches Buendel unter ihrer schmutzigen Djilbab an der Strasse klebt und kein Brot mehr braucht.

In der kretischen Laube hat einmal der beinah 30 jaehrige Joseph zum jungen Pharao Amenhotep gesprochen, ihm Stueckchen erzaehlt und die Traeume gedeutet, damit Keme nicht sieben Jahre hungert, nachdem es sieben Jahre der Fuelle erlebt hat. In dieser kleinen Loggia also, gestuetzt von zwei Saeulen, mit einem Fussboden, dessen Quadrate Teils auf Delphinen reitende Kinder, teils Tintenfische zeigten, wurde vor einigen vielen Jahren der Hunger in Aegypten schon besprochen und was liegt da naeher, es dann hier nocheinmal zu tun. Um der Wiederkehr der Sorge, des Ortes und der Beteiligten Rechnung zu tragen und das Geschriebene zum ernsten Thema naerrisch bunt zu machen, wollen wir Joseph und Nefer-Cheperu-Re-Amenhotep anhalten, uns Worte einzufluestern, die wir sonst nur selten hoeren, so selten, wie wir Hunger spueren.

Was also die Frau betrifft, so ist ihr Ende ein barockes Bild, gemalt mit Blut und Mehl auf der fauligen Leinwand der Globalisierung (dieses Wort kam nicht aus Josephs Mund), vielsagend und einpraegsam durch den Kontrast. Ihre Geschichte ist deswegen zur Zeit auch die meissterzaehlte. Viele waren dabei und haben es gesehen und vielen haben sie davon erzaehlt, viele haben darueber geschrieben und berichtet und viele mehr haben es dann gelesen und gehoert. Die anderen Toten sind weniger prominent, sie sind einfach an Schwaeche gestorben, waehrend sie auf Brot warteten oder von einem anderen in der Schlange niedergestochen worden, weil ein Streit ueber die Reihenfolge entbrannte. Wieder andere hat es nicht beim Baecker dahingerafft, sonder im Strassenkampf mit der Polizei, so auch zwei Jugendliche, 15 und 16, mit 2, respektive 3 Kugeln in Kopf und Koerper. Aber denen wollen wir uns ein andermal widmen, da sie nur entfernt und im Grossen Ganzen, dem Weltganzen, mit dem Hunger zu tun haben und hier ja keine Worte verschwendet werden sollen, sondern alles in knapper Praezision mit dem straffen Duktus der Nachrichtenschreiber zur allgemeinen Bekanntmachung des Themas dienen soll.

Joseph wurde also zum Ernaehrer des Mangels. Seine Aufgabe war es, einen Ausgleich zu schaffen zwischen Fuelle und Mangel, indem man die Fuelle spart, um den Mangel damit zu naehren. So lautete Pharaos schoener Wille und er beschmueckte seinen Knecht dann bald mit Titeln wie "Fuerst der Vermittlung", "Freund der Ernte Gottes", "Oberster Mund" oder nannte ihn, etwas weiter gefasst, den "Vorsteher dessen, was der Himmel gibt, die Erde erzeugt und der Nil hervorbringt, von allen Dingen im ganzen Lande und Wirklichen Vorsteher der Auftraege". Zwar ist Aegypten heute nicht mehr mit Kornhaeusern und knapper Rationierung vom Hunger zu befreien, aber wie der Mercedes zeigt, haette unser Gottesfreund auch in unseren Tagen noch etwas gefunden, was er dem Mangel haette entgegensetzten koennen. Es gab noch nie so viele davon in Kairo. Waehrend er damals die Fuelle besah, indem er in der Jahreszeit Akhet das Ausmass der Ueberschwemmung verzeichnete, im Peret dann die Menge der Saat jeder Frucht bestimmte und zum Shemu, der Sommerernte, die Ertraege wog, muesste er heute nur die Veroeffentlichungen der Ministerien am Ende des Fiskaljahres besehen, um zufrieden zu sein und dem Mangel kampfeslustig entgegenzusehen.

Die Alte in ihrem Djilbab hatte wohl irgendwie durcheinandergebracht, dass wir uns in der siebenjaehrigen Zeit der fetten Aehren, also der Zeit des ueberflusses und der Sorglosigkeit bewegen und keinesfalls in den Tagen der duerren Kuemmer-Aehren siechen. Ueber 7% Wachstum seit 5 Jahren, groesster Empfaenger auslaendischer Direktinvestitionen in Afrika, explodierende Exportbilanzen, ausufernde Fremdwaehrungsreserven in der Zentralbank, eine nie zuvor erreichte Zahl von Touristen, steigende Erloese durch den Schiffsverkehr im Suezkanal und der Titel "Reformer of the Year 2007" im Business Report 2008 der Weltbank zeigen eindeutig, dass Joseph die Frau zur Geduld fuer das Leben im Mangel angemahnt und auf die durchweg positiven Wirtschaftsdaten verwiesen haette, damit kein Unterbruch entstuende in der Folge der Jahre und alles so kaeme, wie im Koenigstraum beschrieben. Was ihn wohl haette stoeren koennen, sind die fast 15% Inflation, aber da weiss man sowieso nie so genau, woher sie kommt und was Ursache, was Wirkung ist, wieviel genau vertraeglich und wieviel genau schaedlich ist.

Wir wollen unserem umsichtigen Vorsteher an dieser Stelle natuerlich keine Kompetenz absprechen, da es nicht nur sein Verstand, sondern vor allem sein Segen war, der zeitlos ist, der ihn den Mangel beherrschen und ertraeglich machen liess, aber es sei doch gesagt, dass man als Herrscher ueber Unter- und Oberaegypten allein heute nur begrenzt schalten und walten kann. Das Getreide wird importiert und die gezahlten Weltmarktpreise an die Verbraucher weitergegeben. Da aber alle auf der Welt Hunger haben und wir die Planeten mit Biosprit retten wollen, ach.... was erzaehle ich da. Das fuehrt zu weit. Nachrichten koennt ihr ja selber gucken, ich wollte nur kurz bescheid sagen, dass eine alte Frau von einem Mercedes ueberfahren wurde und das es in Aegypten keinen gibt, dessen Aufgabe es ist, dem Mangel zu begegnen, der also wie Joseph waere und im Volke beliebt, der Steuern einnimmt und verteilt, alle gleich behandelt und Segen bringt, der menschlich ist und leben laesst.

Saturday, April 5, 2008

Polizei!

Ein Verkehrspolizist sitzt an der Ecke Sharia Brazil und 26th of July unter der Hochtrasse in einem Plastikstuhl und arbeitet. Das nicht geladene AK 47 ist an den Stuhl gelehnt und ein Bein durch den Trageriemen gesteckt, damit keiner kommt und es mitnimmt, was leicht zu machen wäre, so nah wie die Autos in 4-8 Reihen auf 2-3 Spuren an ihm vorbeibrausen. Aber er passt auf! Hier wird nichts geklaut! Mit dem Fuß im Riemen kann man sogar ein kleines Nickerchen halten, wenn man nicht so empfindlich ist, was Lärm angeht zumindest. Dieser Polizist ist auf Zamalek 1000 mal, in Kairo wohl 100.000 mal anzutreffen. Irgendwo zwischen 35 und 55 Jahre alt, aber das weiß keiner so genau, der Verkehr ist lauter als jede Uhr je ticken könnte. Er ist überall, er sitzt an Kreuzungen. Er sitzt mit 4 anderen 12 Stunden am Tag in einem Polizeiauto, dass in einem extra gebauten Unterstand auf dem Gehsteig auf einer Brücke steht. Er sitzt am Ausgang der Stadt in die Wüste. Er sitzt in den kleinen Wachhäusschen vor den Botschaften und Banken, er sitzt einfach mitten an der Straße, auf einer der Überführungen und sitzt und sitzt und trägt die Verantwortung für den Verkehr und die Ordnung im allgemeinen.

Hier in Zamalek kann es passieren, dass es einen Unfall gibt. Das passiert nicht oft, sogar erstaunlich selten, wenn man die Verkehrsverhältnisse bedenkt, aber manchmal kommt es doch vor. Dann gibt es Arbeit! Erstmal wird aufgestanden und das Gewehr um die Schulter gehängt, außerdem der Vorgesetzte verständigt und dann gestanden und gewartet, bis jemand kommt, der weiß was zu tun ist. Bis das geschehen ist, sind meistens schon viele Leute zusammengekommen, um zu sehen was passiert ist. Kaufleute aus den Läden, ihre Kunden, Anwohner und auch 10-15 Polizisten aus den umliegenden Plastikstühlen. Derjenige, vor dessen Stuhl es passier ist, weiß natürlich am meisten und wird am meisten zu allem befragt und falls er nicht gerade geschlafen hat, antwortet er gern! Am besten wäre es jetzt, wenn er seinen Stuhl auf einen der kleinen Kiosks stellen könnte, damit er etwas höher sitzten und seine Ecke im Troubel weiter im Auge behalten und ihre Fragen beantworten könnte. Bald darauf ist die Straße wieder frei. Kaputte Autos kann man nicht kaputt machen, nichts passiert also. Zurück auf die Plätze! Weiter gehts.

Ein Stück weiter nach Süden, zum Beispiel die Hasan Basha Sabri runter, in Richtung der Botschaften, haben die meisten Glück und sie haben zwei Plastikstühle nebeneinander oder sogar eine kleine Bank und der Verkehr ist viel ruhiger und man kann sich unterhalten. Man sitzt und redet. Wird man von einem der Ausländer gefragt, wo eine Straße ist, kann es schon einmal sein, dass man vergessen hat, wo man überhaupt ist und nichts antwortet, obwohl die Straße, nach der man gefragt wird, genau die ist, in der man gerade arbeitet. Aber was solls, solange nichts passiert, ist die Arbeit gut gemacht! Dank der Bank oder den zwei Stühlen kann man sich mit dem arbeiten abwechseln und solange der andere weg ist, einen Freund einladen und einen Tee trinken und ihm zeigen, wie das Funkgerät funktioniert. Man kann auch sein Gewehr nehmen und um die Ecke schleichen, sich hinter den parkenden Autos oder einem Baum verstecken und so tun, als würde die niederländische Botschaft zum Beispiel die polnische angreifen. Aber das geht erst abends, wenn es etwas ruhiger ist und keiner zuschaut, denn die Polizeiarbeit ist ein ernstes Geschäft, das mit Verantwortunsgefühl und Umsicht erledigt werden will!

Wo sie nun zu zweit sitzten, kann man Pause machen. Wenn dann ein Freund kommt um einen Tee zu trinken, kann man sich sein Taxi ausleihen und etwas dazu verdienen, denn eine Familie kann ein Polizist alleine nicht ernähren. Hier in Zamalek sind viele Leute aus dem Westen. Man kann sie zu den Touristenattraktionen fahren. Nach Giza, zu den Pyramiden oder ins Alte Kairo, ins Koptische Viertel, zum Al Khalili Markt oder in eines der Museen. Man kann sie auch zur Arbeit fahren, nach Mohandessin oder in ein Restaurant, das in Maadi ist und sehr teuer ist. So verdient man etwas Geld, was sehr wichtig ist. Es ist nur ratsam, das Gewehr beim Stuhl und beim Freund zu lassen, denn die Touristen sind immer sehr verwundert, wenn ein Polizist im Taxi sitzt. Und wenn er sein Gewehr dabei hat, sind sie manchmal sehr unruhig, weil sie wohl nicht wissen, dass es nicht geladen ist. Mit ein wenig Glück, kann man in einer dieser Pausen von der Arbeit so viel verdienen, wie in einer ganzen Woche. Oder fast noch mehr:

Ein Polizist, der nicht Genau und im eigentlichen Sinne ein Polizist ist, aber auch die Verantwortung für Ordnung und Sicherheit trägt, arbeitet im Gabalaya Park, gleich um die Ecke, die Hasan Basha runter und dann Rechts, in die Baha ad-Din rein. Er ist dafür zuständig, dass es im Park ordentlich und sittlich zugeht. Einmal hat er im Park aufgepasst, als eine Frau und ein Mann aus dem Westen in den Park kamen, die sich an den Händen hielten. Der Eintritt ist für sie ein wenig teurer, zwischen zwei und fünf Pfund vielleicht, je nach dem, wie geschickt sie sind. Es kommen trotzdem viele von ihnen. Jeden Tag sind welche da und halten die Hände. Und manchmal wissen sie nicht, wie man sich anständig benimmt und dann gibt der Mann der Frau einen Kuss auf den Mund und der Polizist geht zu dem Mann und sagt, dass das nicht in Ordnung ist und das nicht anständig ist und man zusehen muss, dass nicht alles außer Rand und Band gerät und die Strafe für diese Widerwärtigkeit 50 Pfund ist. Er sagt das sehr bestimmt, schon fast ein bisschen laut, aber das ist wichtig, weil seine Uniform nicht exakt die eines Polizisten ist, er aber ebenfalls für Ordnung sorgt und also eine Respektsperson ist. Der Mann wird dann sehr böse und sagt auf Englisch, dass er seine Freundin küssen kann, wo immer er will und solche Sachen und dann sagt der Polizist, dass was er davor gesagt hat und nimmt sein Handy in die Hand um anzudeuten, dass er die Polizei rufen wird und sagt ein paar mal bestimmt und laut: 50 Pfund.

Der Mann aus dem Westen wird sehr böse. Er nimmt 50 Pfund, nein er nimmt 100 und gibt sie dem Polizistchen und küsst nocheinmal wütend die Frau, der das offensichtlich irgendwie gefällt, weshalb sie einen dritten Kuss bekommt und wir also 50 im Minus sind, was dem Herren gleich angetragen wird, der darauf wieder bezahlt und laut lacht und auch der Polizist freut sich, aber lacht nicht, sondern bleibt ernst, es ist seine Arbeit und dann wird weiter geküsst und bezahlt und so wechseln 300 Pfund und etwas Spucke den Besitzer und man trennt sich, wobei der Mann und die Frau sich wahrscheinlich nicht trennen, sondern sich das Paar vom Park und dem Polizisten trennt.

Wenn der Park zumacht zwischen 5 und 9 Uhr, kann der Polizist das Tor schließen und in Richtung 26th of July hochlaufen, wo bestimmt jemand Zeit hat, sich diese Geschichte anzuhören. Und er kann seine Freunde, die richtigen Polizisten und deren Freunde, die Taxifahrer und je nach dem, wer eben gerade auf den Stühlen sitzt, einladen, einen Tee zu trinken und eine Wasserpfeife zu rauchen und zu lachen, wie dumm der Mann war, der seine Frau doch jederzeit umsonst und in Ruhe zu Hause küssen kann.

Monday, March 31, 2008

Die Wohnung

Zamalek, eher nördlich, Mohamed Mazhar Nummer , zweiter Stock. Nach hinten Raus das Haus des Botschafters von Bahrain, der wohl auch unser WLAN stellt. 2,5 Badezimmer, 3 Schlafzimmer, ein Gästezimmer (das für den April noch von Chris, Arzt, Ami, bewohnt wird), ein schönes schönes großes großes Wohnzimmer mit abgefahrenen Möbeln. Küche mit Gasherd, Eiswürfelmaschine und anderem Tüdelkram. Fernsehzimmer mit gemütlicher Leseecke. Esszimmer (nicht besonders sinnvoll, bei 3 amerikanischen Mitbewohnern). Zwei Balkone, davon einer an meinem Zimmer, allerdings zur Straße raus. Keine Geschlechter Regeln im Haus. Man darf Besuch mitbringen, sowohl Mädchen als auch Jungens. Die Haustür unten ist nachts offen, keine peinlichen Zusammenkünfte mit dem Bawaba. Ziemliches Glück gehabt. Mitbewohner alle nett, Dina und Pat, Amerikaner; Dina mit palästinensischer Familie, sprechen beide fließend arabisch. Fahre morgens zusammen mit Pat im Taxi zur Arbeit, haben den gleichen Weg. 5 Pfund. Würde langsam gerne mal an Start kommen. Aber traue mich nicht aus dem Zimmer, solange die Putzfrau da ist!

Saturday, March 29, 2008

Das ägyptische Pfund

Wenn man morgens gegen fünf in Dowtown aus dem After Eight mit einem Halbamihalbvenezoelaner, einer Deutschtunesierin und einem Indischenniederländer auf die Straße fällt, sollte man zusehen, dass man nicht nur die letzten, unbedingt notwendigen, fünf ägyptischen Pfund für die letzte Taxifahrt, die man alleine Richtung der Nilinsel Zamalek, also in Richtung Pension Zamalek, also in Richtung der ersten in Kairo bewohnten Unterkunft, antreten muss, in der Tasche hat, sonder unter umständen noch ein wenig mehr, weil man sonst damit rechnen muss, in der Nacht Scherereien mit dem Bawaba zu bekommen.

Weil man auf dem Bürgersteig angekommen versucht, die beiden aufgebrachten Polizisten zu überzeugen, dass das betrunkene Mädchen keine liebestollte Konkubine, sondern eine harmlose Touristin oder zumindest kein geboren ägyptisches Exemplar gelebter Sittenlosigkeit ist, dann von F. an der Hand genommen und in eine Richtung, Richtung da, Richtung Taxi, gewiesen wird, damit wir wegkommen, wobei ich auf dem Weg gerne noch kurz dahinten in die Seitengasse würde um ich weiß ja nicht wie lang die Taxifahrt wird, ist die erste Nacht in Kairo, hau rein F., keine Ahnung wo ich überhaupt bin, Taxi kostet fünf Pfund, die habe ich noch, wobei das kehlige, schlaftrunkene, aber gefühlt aggressive arabische Fluchen des aufgeweckten Clochards mit einem dediziert europäischen Schrei des Schreckens beantwortet wird; jetzt lieber schnell einpacken, obwohl noch gar nicht so richtig zum Ende gekommen, Büchs zumachen und er schnell sich-auspacken, obwohl noch gar nicht so richtig ausgeschlafen, aus dem Schlafsack raus und also zusammen weiter Richtung Taxi, arabisch an-, europäisch zurückgeflucht, wobei es nur einer von uns beiden wirklich ernst meint und nur einer von uns beiden am Ende im Taxi sitzt und mit 120 ohne Licht durch die Stadt über die Nilbrücke brettert um Zuhause angekommen zu merken, dass die Klingel an der Eingangstür zum Gebäude kaputt und dem Bawaba durch klopfen nicht beizukommen ist, aber das erscheinen eines zum Morgengebet an den Start gekommenen Greises hinter der Glastür einen irgendwie unwirklich fröhlich macht und er grinst und mit Guten Morgen auf ägyptisch, englisch, deutsch und französich die Tür öffnet, dabei den Bawaba, der 2 Meter daneben auf seiner Liege pennt, anpöbelt (einsprachig, arabisch), so das der ganz ungehalten doch noch aufsteht, um unverschämterweise seine ein bis zwei Pfund Anstrengungesgebühr einzufordern, obwohl ja er die Tür gar nicht aufgemacht hat und der Alte und ich uns einig, zweizüngig, fünfsprachig mit im ihm darüber auseinandersetzten, weil selbst wenn, ich kein Pfund mehr gehabt, alles im Taxi gelassen, es waren die letzten fünf und vergessen, dass immer noch einer kommt und was will, um ihn ruhig zu kaufen, ich ihm nichts hätte geben können, aber doch gerne getan hätte, um zu vermeiden, dass der Leiter der Pension die Tür öffnet, seinen Gast mit bösen Blick straft, den Bawaba mit Hand und Fluch wieder auf die Liege weist und mich Richtung Zimmer schickt,um am morgen beim Frühstück den Trunkenbold im nachhinein, die anderen 10 deutschen Reisegruppenstudenten vorsorglich, nocheinmal darüber aufzuklären, wie ungern Betrunkene und nächtlicher Krach hier doch gesehen sind.