Was ich nicht verstehe ist, was der Typ eigentlich mit ihr will. Ich habe ihn noch nie gesehen, aber so wie sie sich hier gibt, wäre es hochgradig erstaunlich, wenn er sonst für sie die Projektionsfläche aufrichtiger und inniger Zuneigung wäre. Zumindest wäre er nicht die einzige. Sie hängt seit einer Weile häufiger bei uns mit in der Wohnung rum. Ursprünglich hat Dr. Chris sie irgendwie kennengelernt, aber nachdem der das Land verlassen hat, kam sie trotzdem immer mal wieder dazu, was darin gipfelte, dass sie eines Nachts mit Dings die Füße zusammenlegte und erst nachdem die Morgensonne über Kairo stand, sich auf eben diesen wieder in Richtung Elternhaus auf den Weg machte. Das ist natürlich ein ganz unerhörtes Betragen für eine junge Ägypterin, vor allem, wenn diese verlobt ist. Ich vermute einfach einmal so in anderer Leute Privatleben hinein, dass ihr diese Verlobung keine Herzensangelegenheit ist.
Ihr schmales und sehr junges Gesicht, das einen eher 18 denn 21 Jahre vermuten lassen würde, ist hübsch und unverschleiert. Ihr Englisch ist tadellos und wenn sie lacht, sieht man weiße Zähne aufblitzen und meist etwas zu große Ohrringe wackeln. Sie besucht eine teure Universität, zu der sie allmorgentlich vom Familienfahrer chauffiert wird, weil sie in Heliopolis wohnt, was ziemlich weit draußen liegt. Sie raucht viele Zigaretten, die sie in dünnen Fingern mit schönen Ringen hält und macht einen erstaunlich schlechten Gin Tonic, der schmeckt, als würde Wodka aus einer russischen Badewanne mit kairiner Leitungswasser und einer Scheibe vergammelter, blasenwerfender, kohlensäuresimulierender Zitrone serviert. Sie ist aufgeweckt und spielt sich viel im Haar; wenn sie etwas erzählt, sind es meistens komische Geschichten über Freunde von ihr, die von uns keiner kennt.
Normalerweise denkt man ja im ersten Moment bei einer solchen Geschichte, dass die unterentwickelte ägyptische Gesellschaft grausam zu ihren Frauen ist und diese, gegen ihren Willen, einem Mann verspricht, der aus einer anderen wichtigen Familie stammt, dadurch das Ansehen der eigenen Sippe gesteigert wird und das Unglück des jungen Mädchens, aus Sicht des Papatriarchen, allemal aufgewogen ist. Das junge Mädchen hat aber einen eigenen Kopf und macht was sie will und stürzt sich so noch tiefer in das eingangs fremdverschuldete Unglück, indem sie sich aus trotz Männern ergibt und ihr Gesicht verliert. Prostitution! Sumpf! Elend! So aber nicht in diesem Fall. Der Verlobte ist kein Ägypter. Er ist ein Westler, was ein ziemlich starkes Argument gegen das der traditionellen Familienzwänge ist, da diese so eine Verbindung nun in der Regel nicht vorsehen.
Eine weitere Möglichkeit wäre, dass sie schon immer auf leichtem Fusse gelebt und körperlichen Freuden gefrönt hat, dabei mit dem jetztigen Verlobten zu weit ging, ihre Unschuld verlor und, um die Familienehre zu retten, diesem Herren zur Frau versprochen wurde, damit die Verbindung im nachhinein vor Gott dem Allmächtigen, wenn nicht als moralisch unbedenklich, so doch zumindest als vertretbar gegolten hätte. Das wäre der normale Lauf der Dinge in einem Land, in dem man zum vorehelichen Sex statt einem Kondom eher einen Verlobungsring mitbringen sollte, bzw. einem Land, indem es die 24 Stunden Hochzeit gibt, um sich vor rechtlichen Konsequenzen beim Bordellbesuch zu schützen. Aber auch diese Variante ist in dem hier betrachteten Fall wenig wahrscheinlich, denn welcher anständige Ägypter würde seiner Tochter schon weitere Eskapaden, wie außerhäusige Übernachtungen und den täglichen Umgang mit der verdorbenen Brut an einer Schnöseluniversität erlauben, wenn ihm die Neigung des eigenen Sproßes zur Sünde doch bereits bewiesen worden ist.
Die letzte Variante, die mir in den Sinn kommt, ist die, in der sich die beiden aus Liebe und freien Stücken in jungen Jahren verlobt haben, sie ihn jetzt nicht mehr mag und deswegen lieber anderweitig Vergnügen sucht. Wenn sie sich aber so leicht und, für ägyptische Verhältnisse, frei, verloben konnten, steht doch einer Entlobung eigentlich nichts im Wege und diese wäre aus ägyptischer Sicht auch allemal anständiger, als den Herren zum Narren zu halten und das Risiko einzugehen, dass dieser sich später hintergangen fühlt und das Verhältnis im Skandal löst, da die Versprochene die Regeln gebrochen hat. Sie sagt aber, dass das Bündnis gültig ist und in einer Ehe enden wird.
Es ist nun sehr schwierig und nicht eigentlich in meinem Interesse diese Geschichte weiter zu verfolgen und eine Antwort auf die Frage zu finden, da die Angelegenheit zum einen natürlich über die Maßen privat und zum anderen ordinär und geschmacklos ist. Aber was ich nicht verstehe, ist, was der Typ eigentlich mit ihr will.
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5 comments:
vielleicht schreibt "dings" ja auch einen blog über dich. seine spekulationen wären sicher haaresträubend =)
... mir fehlt am ende etwas wie "und dieser kleine junge war ... ich".
Hehe du Spinner! Das ging ja das letzte mal nach der Polizeigeschichte schon die ganze Zeit so! Dieser Block hat mit meinem Leben nicht das geringste zu tun!
ich geh bei ferkelein auch immer davon aus, dass jojo zu einem nicht unbeträchtlichen teil beteiligt ist...
Verleumdung!
oh oh...jojo jojo..
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