Sunday, May 18, 2008

Einen Zuber voll mit Spaß oder: Nikki am Nil

Ich sitze am Esstisch und unterhalte mich mit einem Freundesfreund über seinen Plan, nach Süd-China in ein Kung Fu Kloster zu gehen, um richtig kämpfen zu lernen und dann in Kairo eine Tai-Chi-Schule aufzumachen, um Geld zu verdienen und würdige Schüler in echtem Kung-Fu zu unterweisen. So wäre es ihm möglich, seinen Lebensunterhalt mit etwas, das er wirklich liebt zu verdienen, ohne Gefahr zu laufen, den Falschen mit dieser todesgefährlichen Philosophie auszustatten, da ja eigentlich alle Tai-Chi und nur die Auserwählten Kung Fu lernen. Ich beeidrucke ihn mit sinnlosen Zitaten aus diversen Eastern und profunden Kenntnissen über das gewöhnliche Klientel von Tai-Chi Schulen: Hausfrauen und Rentner. Wir reden Deutsch. Er ist Ägypter und Kroate mit schwedischem Pass, der in Österreich groß geworden ist. Ich gewöhne mich also langsam wieder an meine Muttersprache und gehe dann alsbald ein wenig schlafen, um um eins wieder aufzustehen und zum Flughafen zu fahren, wo ein Gast wartet.

Nachts durch Kairo fahren ist etwas wunderbares. Die Straßen sind frei, alle Lichter (außer Autoscheinwerfer) sind an und man fragt sich, wie man die Menschen, die tagsüber die Stadt bevölkern, wohl am geschicktesten in den Häusern stapelt, damit auch jeder einen Platz zum ruhen hat. Der Gedanke führt ins nichts. Man muss darüber aber keineswegs beunruhigt sein: Der Chef des Krämerladens Misr, Muhammad Husni Mubarak, wird es richten. Er richtet alles. Er richtet ein, aus, über, haupt und sowieso.... ""Hallo Joco, schön dich zu sehen! <-> Ja, nicht wahr! <-> Schön!"" Wir fahren Taxi und rauchen eine Zigarette. Ein Zeitvertreib, der profan klingt, aber, vor allem in guter Gesellschaft, durchaus Entzücken, Lebensfreude, Zuversicht, und jede Menge Zerstreuung bietet. Eingeschlafen-ausgeschlafen.

Zur gleichen Zeit, aus einem anderen Land: Zwei Mädels zu besuch. Guten Morgen. Hallo Hallo nice to meet you. AWSOME! Guten Morgen. Könnt ihr bitte Nico mitnehmen? Ich muss arbeiten und Pat auch und so habt ihr einen richtigen Mann an eurer Seite und er hat jemanden, der seinen Willen in die Sprache des hier heimischen Volkes, der Ägypter, translatieren kann. Es soll uns allen zur Freude gereichen und das Leben bunter machen (modern gesprochen: eine Win-Win-Situation). AWSOME!

Nun habe ich Nico schon seit drei Tagen nicht mehr gesehen. Er ritt also zunächst um die Pyramiden, nahm dann die Cairo Ring Road, die noch nicht fertig ist und fiel auf seinem Gaul ins koptische Viertel ein, in dem schon vor einiger Zeit ein berittener Heiliger names Georg zugegen war und, ob nun genau hier oder nicht, einen Drachen besiegte. Den Einfältigen unter den Ägyptern kommt beim Anblick Nicos auf einem Pferd sogleich diese Assoziation und sie beginnen ihn zu lobpreisen, wobei sie außer Acht lassen, das Drachen heute unter Naturschutz stehen und unserem zugereisten Freund nichts ferner liegt, als die Population dieser wunderbaren Familientiere zum bloßen Zwecke religiöser Folklore weiter zu dezimieren. Eine Entscheidung, die Hochachtung verdient, vor allem in Anbetracht des verpassten Ruhmes und der sicheren Anhimmelung durch seine beiden Begleiterinnen, die sich ihm nach einem solchen Akt martialischer Männlichkeit zweifelsohne direkt zuzweitzurFrau hingegeben hätten.

Wie ich höre, zieht er es vor, sich in Alexandria, der Stadt seines Namensvetters Nico-Alexanders's, umzusehen und die Klassifizierung des Leuchtturmes als eines der Sieben Weltwunder auf Aktualität und einige UNESCO-Weltkulturerbeauflagen zu prüfen, um sich nach getaner Arbeit in ein unvorstellbar großes Bett in einem vornehmen Hotelpalast am Mittelmeer zu legen und seine Reisebegleitung beim einschlafen auf den ihnen zugewiesenen Holzschemeln zu verspotten. Am nächsten Tag wird die Bibliothek der Stadt gelesen und die liebsten Textstellen auf der Rückfahrt im Zug, im Tausch gegen Essen seines Sitznachbarn, wieder und wieder rezitiert.

Jetzt machen wir was zusammen! Endlich Wochenende, ab auf den Khan el Khalili, im el Fishawy eine Shisha rauchen und einen frischen Mangosaft genießen. Außerdem ist der Minztee sehr gut. Die großen Spiegel und die kunstvollen Holzvertäfelungen sind für uns genau das richtige Ambiente, um erlebtes zu diskutieren und uns auf zukünftiges zu freuen. Seit über 200 Jahren hat dieses Café nicht mehr geschlossen. Nagib Machfus liebte es. Wenn die beiden Kellner da drüben noch lange an der Elektrik rumfummeln, brennt die Bude bald. Daraufhin ein kurzer Besuch in einem der Clubs der Stadt (ich bringe die Tage durcheinander), dem Purple. Wir haben das Tanzbein zwar mitgebracht, aber es gibt nur Arbeit für den Arschtreter. Lass uns lieber auf den Sinai, da können wir in der Sonne sein und es uns gut gehen lassen.

Eine kurze Busfahrt später packen wir unsere Habseligkeiten in die Hütte und lassen uns von der Ruhe, dem Meer, der Einfachkeit des Ambientes und den netten Gastgebern in einen Zustand der Glückseligkeit versetzten, der auch eine Woche danach bei Bedarf abgerufen werden kann und das Leben schön macht. Am Abend essen wir in einer Burg, schauen auf Saudi-Arabien, rauchen Zigaretten. Es gibt Meeresfrüchte, Lamm, Kalb, Gemüse, Reis, Fisch. Wir schlagen uns den Bauch voll und lachen kräftig. Dina macht uns lachen: Esel, Ratte, Waran, Adler, Wal, Vogelstrauß und so weiter und so fort. Zurück am Wasser ist der Strom bereits abgestellt und Sterne funkeln überall. Es ist ein unverschämtes Glück, ins Bett zu gehen und zu wissen, dass der nächste Tag mindestens genauso schön wird wie der just verlebte. Nach dem Schnorcheln werfen wir (Phil) die Frisbee aufs Dach der Hütte der Besitzer und lassen sie dort, um eine Rückkehr sicherzustellen. Nacht. Dann: im Peugeot 504 mit sieben Sitzen zum Berg, 3750 Stufen rauf, gucken was geht und wieder ins Tal. Es gibt Hühnchen mit Reis, wir sitzen auf Kissen und trinken Tee. Schnorcheln, lesen, Quatsch machen. Nacht. Eingestiegen-ausgestiegen. Kairo.

""Hau rein man. <-> Es war wunderbar!"" Ein Abschluss: schwer zu finden, aber warum auch: Solche Dinge wirken nach.

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