Früher sind die Leute hier auf Kamelen geritten. Auf großen gemütlichen Kamelen sind sie durch die Wüste geritten und haben Datteln gegessen und dann ein Feuer gemacht und haben dann darauf Tee gekocht und dann gepennt und sind dann wieder aufgestanden um dahin zu reiten, wo sie nunmal hinwollten. Jaakob hat sich als alter Greis in einer ägyptischen Sänfte von Zwei Maultieren von Kaanan nach Kemet tragen lassen, genauer gesagt nach Gosen, wo ihn sein lange verlorener Sohnemann empfing. Dieser wiederum ist auf dem Nil in einer Barke unterwegs: Hinauf in den Süden nach Oberägypten oder hinab nach Unterägypten, im Norden, den Strecken, für die er auch das Boot von Amenhotep, die Barke "Stern beider Länder", häufiger ausgeliehen bekam.
Die Kurzstrecke innerorts wird heute (mit dem Taxi!) mit dem Eselswagen zurückgelegt. Je mehr Menschen dabei den Ort bevölkern, desto unglücklicher blickt der Esel drein. In Kairo sind sie Taxis: Alt, zerüttet, überansprucht. In den Oasen, wie in Siwa oder Bahariyya, eher gemütlich und besser genährt, immer mit dem Wagen am Geschirr. Das ist eine ganz erfreuliche Sache, weil man so immer mal wieder auf einen Eselwagen springen und sich nach Eselslaune irgendwo hinfahren lassen kann. So hat uns ein Esel netterweise von unserem Hotel bis vor die Treppe der Festung von Shali gefahren. Er wäre wohl auch gern noch ein Weilchen länger mit uns unterwegs gewesen, aber sein Besitzer kam uns stockschwingend hinterher! Ein anderer Wagen ist am Abend von den Kindern der Kaufleute erobert worden, die zu zwölft auf der Ladefläche saßen und herrlichen Radau machten, bis die Erwachsenen ihnen den Spaß neideten und sie Heim riefen. In den Beduinendörfern um die Oasenstädte lässt es sich am besten Esel sein. Da kann man mit etwas Geschick das Arbeiten ganz vermeiden, indem man einfach in die Ecke des Dorfes geht, in der keine Menschen sind und rumsteht, Sachen isst und immer trinkt, wenn einem danach ist.
Der Wüstenausflug wird heute im Jeep erledigt. Man kann auch noch Kameltouren machen, aber dazu fehlt die Zeit, weil wir eigentlich immer nur an verlängerten Wochenende unterwegs sind. Auf dem Weg in die Oasen sieht man oft wilde Kamele, die jetzt machen können, was sie wollen und mehr als eine Wüste voll mit Platz haben, der ihnen zur freien Verfügung steht. In der Weißen und der Schwarzen Wüste fährt Khaled, ein unwahrscheinlicher Draufgänger und der älteste Sohn des Hotelbesitzers Badry Khozam. Er weiß genau, wie breit das Auto ist, die Reifen sind, auf denen er unterwegs ist. Die weiße Wüste ist (wunderschön) wie eine große Steinplatte, aus der sowohl kleine Spitze Kanten, wie auch (wunderschön) haushohe, verrückt geschwungene, weiße Felsen ragen, in deren Formen man viele alte Bekannte wiederentdecken kann!
Rund um Siwa fahren uns Hamada und Fayez, zwei Beduinen vom einzigen arabischen Stamm aus der Ecke. Sie sind lebensfrohe Leute mit einem warmen Lächeln und feinen Sinnen. Während in Kairo jedes Wort gegen den Lärm der Stadt geschrien und oft mit einem smogbedingten Husten unterstrichen wird, sprechen die Beduinen ruhig, freundlich, in langen melodischen Sätzen und senken am Ende die Stimme und falten nickend die Hände. Außerdem sind sie schön! Hamada hat ein schmales Gesicht, kleine schwarze Augen und eine etwas längliche Nase, die aber im Bart aufgeht und nicht im geringsten stört. Natürlich sieht man ihnen an, dass sie in Wind, Sand und Sonne leben, aber es wirkt wunderbar, da in der Wüste ja keine Kanten, sondern weich geschwungene Kämme über die Sanddünen führen und ebenso auch die Falten um den Mund und auf der Stirn geformt sind. Wir baden in heißen und in kalten Quellen in der Wüste, die diesmal wirklich eine: eine Sandwüste ist. Pat hat jetzt 12 dicke Berber, mit denen wir in der heißen Quelle waren, als Freunde fürs Leben, weil er beim Werkannamlängstenunterwasserdieluftanhalten eigentlich gewann, sich aber mit allen anderen zusammen einig war, das der alte Achmed gewonnen hat und stürmisch von uns allen zu beglückwünschen ist!
Nach Siwa zu kommen ist ganz leicht. Vorausgesetzt, man hat eine ordentlich Portion Zeit! Mit dem Bus fahren wir nach Marsa Matruh am Mittelmeer, wobei während der sieben Stunden Fahrt abwechselnd trashige Filme auf dem Fernseher oder rauschende Gebete aus der Stereoanlage wackeln. Angekommen trinken wir Tee und gehen etwas Essen. Dann treffen wir Dina, die zuvor ein paar Tage am Strand verbracht hat und die keine Lust auf Busfahren hat. Also fragen wir einen Taxifahrer, was er denn dazu meint und fahren los. 300 km links an der Sonne vorbei und schon ist man dort. Zurück im Bus nach Alexandria. Von dort im Zug, der total ausgebucht ist, was bedeutet, das wir für unsere gemütlichen Sitzplätze im Zug Bakschisch zahlen müssen, was aber absolut in Ordnung ist. In Kairo angekommen, kämpft man sich an den Taxifahrern am Ausgang vorbei, läuft Richtung Straße und läuft an einer alten Frau vorbei, die Mitten im Verkehr steht, von einem Minibus dauerangehupt wird und dabei dreinblickt wie: ein Esel.
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