Tuesday, June 3, 2008

Frau! Nein!

Am Fenster stehen und gucken. Das kann er am besten. Kann man was am Besten, wenn es das ist? Zeit vergeht, das tut sie sowieso, die Frage ist, wieviel. Also wie lange. ². Asche fällt runter: Staub, wie alles andere auch. Eiswürfel sind am Ende(,) weder Eis noch Würfel. Andere Dinge behalten nach der Desintegration ihres Seins die (dann) ehemals konstituierenden Gegenständlichkeiten des betitelnden Dualnomennamens bei: Fußnagel (.) spielt nervös an der Leiste. Ich Frage - übersetzte -: "Was geht?" "Nichts, ich häng' mit den Tanten von gegenüber rum" "Cool". Im Quicksilverladen hängt ein Poster. Fünf Frauen in Strandkostüm und Bademoden sehen gut aus.

Auf der Straße, gehen. Weil Bond seinen Kumpel falsch verstanden hat und dachte, dieser käme mit seiner Familie nach Kairo, hat er ihm das Marriot Hotel in Zamalek als Bleibe empfohlen. Das ist unerhört teuer, scheint ihn aber nicht weiter zu stören; wir kommen, um nach den Rechten zu sehen, ob es ihm gut geht, ist er wohl auf, natürlich, es ist ja Nachmittag, wir legen uns besorgt zu ihm an den Pool. Auf dem Weg nach Hause fühlen wir uns wie Strandurlauber. Es ist ruhig im Marriot. Kurze Hosen und Flipflops und Sonnenbrillen sind unisexcool. Wir machen einen Umweg, um zum Handyladen zu gehen und zu fragen, ob ihr Handy fertig ist. Es ist der siebente Ausflug zu diesem Zwecke. Mit ein wenig schlechter Laune mehr geht es nach Hause, vorbei an der großen Mauer. Dahinter ist ein Palast. Davor sitzt ein junger Mann auf einem Mauervorsprung der mich angrinst und seine Sprache spricht, die nicht meine ist, aber ihre (zumindest verwandt, in ägyptischem Dialekt eben) und sie fasst meine Hand. Ich frage -übersetzte- "Sind wir jetzt ein Paar?, falls dem so sein sollte, sei bitte etwas sanfter, ich bin sehr dünn und auch nicht besonders stark, außerdem ist mir nach einem solchen Sonnentag nicht nach..." "Ich fasse deine Hand, damit ich dem Hurensohn nicht die Fresse poliere. Manchmal macht es mich krank. Ich habe doch nichts gemacht." Ein nackter Unterschenkel ist das Markenzeichen der Nutten. Eins von vielen.

Nach einem anstrengenden Tag in Siwa fühlen wir uns wie der Haufen Steine auf dem wir den ganzen Tag rumgekraxelt sind und sogar noch ein bisschen mehr: gesteinigt. Morgen fahren wir in die Wüste und hören uns kurzweilige Geschichten über das Leben mit mehreren Frauen, Beduinengeschichten, an. Das weiß ich jetzt, weil jenes Morgen eins von vielen Gestern ist. Was ist das Leben bunt. So bunt wie unser Tisch, den wir mit Gemüse, Brot, Feetah, kleinen Aufläufen, frisch gepressten Säften und Obst haben decken lassen. Wir lachen; jeder verliert sich mindestens einmal in einer Geschichte, die er niemandem erzählt. Das Paar am Nachbartisch wechselt ein langes Abendessen lang kein Wort. Wir vermuten schwarze Linsen oder Fuul (braun). Vielleicht sind sie auch glücklich. Hoffentlich. Wenigstens sehen sie sich. Auf der Straße, einem Weg so matschig, als hätte jemand Laban, den Erdenkloß, zerquetscht, reitet die Parodie eines Schwarzen Ritters aus dem Drogenjunkiefreakblockbuster. Reiten ist vielleicht nicht ganz richtig. Das Häuflein Mensch sitzt in einem braunen Dschilbab mit einem schwarzen Schleier vor dem Gesicht auf der Ladefläche eines führerlosen Eselwagens. Ich frage: "Kann sie was sehen?" "Nein" "Aber normalerweise ist da doch so ein Netz vor den Augen, durch das man ein wenig sehen kann" "Nein, das ist einfach ein Tuch" (Jaja, brav übersetzt alles). Der Esel trägt die Verantwortung.

Die amerikanische Universität Kairo (AUC) zieht bald von ihrem Standort in Downtown Kairo auf einen neuen Campus: in die Wüste, vor die Stadt. Dann wird sie leichter zu bewachen sein. Die armen Studenten, die für ihr Auslandsjahr herkommen, werden dann zwar nichts mehr vom wunderbar pulsierenden Leben im Zentrum Kairos mitbekommen, aber dafür ist alles neu und sauber. Beim Fortschritt auf den Stil getreten, wie so oft. Auf dem Weg zur Uni sind viele kleine Polizistenhüttchen, so groß wie ein Dixiklo, nur ohne Tür und mit kleinen Fensterchen an den Seiten. Sie stehen auf dem Gehsteig. Vor den Botschaften sind sie in den Landesfarben der zu bewachenden Vertretung bemalt. Haha, lustig bunt! Von der Seite kann man ein bemütztes Männlein sehen. Von vorne kann man ein zweites Männchen sehen, das aber keine Mütze mehr hat, die wurde abgeschnitten, damit das Männlein dem Propheten gleicht. Da bleibt einem die Spucke weg. Zu fragen gibts auch nichts. Das ist eine ziemlich ekelhaft-eindeutige Angelegenheit. Die Kleidung der Studentinnen ist schuld, wie Huren sehen sie aus.

Safarisize. So der Name der Halbliterbierdosen der Firma Luxor. Eins auf der Hand und fünf im Sinn kann man einmal einen Blick in den Raum wagen. Aber halt, vorsicht! Es ist gefährlich, sich mit Mädchen zu unterhalten, wenn man etwas getrunken hat und bei guter Laune ist. Auf der Party sind eine Menge Leute: Deutsche, Franzosen, Ägypter, Briten, Amerikaner, Sudanesen, und viel kunterbuntes. Der Alkohol lößt bekanntermaßen die Zunge. Spar dir deine Spucke, richte kein freundliches Wort an eine Frau, sei es auch bloß um ein freundliches Wort loszuwerden. Sagt man etwas nettes, ist die Unterhaltung vorbei. Die Frauen müssen sich selber schützen. Kein Lächeln, kein erheiterndes Geplänkel. Sonst denkt der Typ noch. Alle. Immer. Es muss ein furchtbares, entnervendes Gefühl sein. Danach fragen kann man nicht. Eine Antwort wäre vertraulich, verfänglich.

No comments: