Ich sitze am Esstisch und unterhalte mich mit einem Freundesfreund über seinen Plan, nach Süd-China in ein Kung Fu Kloster zu gehen, um richtig kämpfen zu lernen und dann in Kairo eine Tai-Chi-Schule aufzumachen, um Geld zu verdienen und würdige Schüler in echtem Kung-Fu zu unterweisen. So wäre es ihm möglich, seinen Lebensunterhalt mit etwas, das er wirklich liebt zu verdienen, ohne Gefahr zu laufen, den Falschen mit dieser todesgefährlichen Philosophie auszustatten, da ja eigentlich alle Tai-Chi und nur die Auserwählten Kung Fu lernen. Ich beeidrucke ihn mit sinnlosen Zitaten aus diversen Eastern und profunden Kenntnissen über das gewöhnliche Klientel von Tai-Chi Schulen: Hausfrauen und Rentner. Wir reden Deutsch. Er ist Ägypter und Kroate mit schwedischem Pass, der in Österreich groß geworden ist. Ich gewöhne mich also langsam wieder an meine Muttersprache und gehe dann alsbald ein wenig schlafen, um um eins wieder aufzustehen und zum Flughafen zu fahren, wo ein Gast wartet.
Nachts durch Kairo fahren ist etwas wunderbares. Die Straßen sind frei, alle Lichter (außer Autoscheinwerfer) sind an und man fragt sich, wie man die Menschen, die tagsüber die Stadt bevölkern, wohl am geschicktesten in den Häusern stapelt, damit auch jeder einen Platz zum ruhen hat. Der Gedanke führt ins nichts. Man muss darüber aber keineswegs beunruhigt sein: Der Chef des Krämerladens Misr, Muhammad Husni Mubarak, wird es richten. Er richtet alles. Er richtet ein, aus, über, haupt und sowieso.... ""Hallo Joco, schön dich zu sehen! <-> Ja, nicht wahr! <-> Schön!"" Wir fahren Taxi und rauchen eine Zigarette. Ein Zeitvertreib, der profan klingt, aber, vor allem in guter Gesellschaft, durchaus Entzücken, Lebensfreude, Zuversicht, und jede Menge Zerstreuung bietet. Eingeschlafen-ausgeschlafen.
Zur gleichen Zeit, aus einem anderen Land: Zwei Mädels zu besuch. Guten Morgen. Hallo Hallo nice to meet you. AWSOME! Guten Morgen. Könnt ihr bitte Nico mitnehmen? Ich muss arbeiten und Pat auch und so habt ihr einen richtigen Mann an eurer Seite und er hat jemanden, der seinen Willen in die Sprache des hier heimischen Volkes, der Ägypter, translatieren kann. Es soll uns allen zur Freude gereichen und das Leben bunter machen (modern gesprochen: eine Win-Win-Situation). AWSOME!
Nun habe ich Nico schon seit drei Tagen nicht mehr gesehen. Er ritt also zunächst um die Pyramiden, nahm dann die Cairo Ring Road, die noch nicht fertig ist und fiel auf seinem Gaul ins koptische Viertel ein, in dem schon vor einiger Zeit ein berittener Heiliger names Georg zugegen war und, ob nun genau hier oder nicht, einen Drachen besiegte. Den Einfältigen unter den Ägyptern kommt beim Anblick Nicos auf einem Pferd sogleich diese Assoziation und sie beginnen ihn zu lobpreisen, wobei sie außer Acht lassen, das Drachen heute unter Naturschutz stehen und unserem zugereisten Freund nichts ferner liegt, als die Population dieser wunderbaren Familientiere zum bloßen Zwecke religiöser Folklore weiter zu dezimieren. Eine Entscheidung, die Hochachtung verdient, vor allem in Anbetracht des verpassten Ruhmes und der sicheren Anhimmelung durch seine beiden Begleiterinnen, die sich ihm nach einem solchen Akt martialischer Männlichkeit zweifelsohne direkt zuzweitzurFrau hingegeben hätten.
Wie ich höre, zieht er es vor, sich in Alexandria, der Stadt seines Namensvetters Nico-Alexanders's, umzusehen und die Klassifizierung des Leuchtturmes als eines der Sieben Weltwunder auf Aktualität und einige UNESCO-Weltkulturerbeauflagen zu prüfen, um sich nach getaner Arbeit in ein unvorstellbar großes Bett in einem vornehmen Hotelpalast am Mittelmeer zu legen und seine Reisebegleitung beim einschlafen auf den ihnen zugewiesenen Holzschemeln zu verspotten. Am nächsten Tag wird die Bibliothek der Stadt gelesen und die liebsten Textstellen auf der Rückfahrt im Zug, im Tausch gegen Essen seines Sitznachbarn, wieder und wieder rezitiert.
Jetzt machen wir was zusammen! Endlich Wochenende, ab auf den Khan el Khalili, im el Fishawy eine Shisha rauchen und einen frischen Mangosaft genießen. Außerdem ist der Minztee sehr gut. Die großen Spiegel und die kunstvollen Holzvertäfelungen sind für uns genau das richtige Ambiente, um erlebtes zu diskutieren und uns auf zukünftiges zu freuen. Seit über 200 Jahren hat dieses Café nicht mehr geschlossen. Nagib Machfus liebte es. Wenn die beiden Kellner da drüben noch lange an der Elektrik rumfummeln, brennt die Bude bald. Daraufhin ein kurzer Besuch in einem der Clubs der Stadt (ich bringe die Tage durcheinander), dem Purple. Wir haben das Tanzbein zwar mitgebracht, aber es gibt nur Arbeit für den Arschtreter. Lass uns lieber auf den Sinai, da können wir in der Sonne sein und es uns gut gehen lassen.
Eine kurze Busfahrt später packen wir unsere Habseligkeiten in die Hütte und lassen uns von der Ruhe, dem Meer, der Einfachkeit des Ambientes und den netten Gastgebern in einen Zustand der Glückseligkeit versetzten, der auch eine Woche danach bei Bedarf abgerufen werden kann und das Leben schön macht. Am Abend essen wir in einer Burg, schauen auf Saudi-Arabien, rauchen Zigaretten. Es gibt Meeresfrüchte, Lamm, Kalb, Gemüse, Reis, Fisch. Wir schlagen uns den Bauch voll und lachen kräftig. Dina macht uns lachen: Esel, Ratte, Waran, Adler, Wal, Vogelstrauß und so weiter und so fort. Zurück am Wasser ist der Strom bereits abgestellt und Sterne funkeln überall. Es ist ein unverschämtes Glück, ins Bett zu gehen und zu wissen, dass der nächste Tag mindestens genauso schön wird wie der just verlebte. Nach dem Schnorcheln werfen wir (Phil) die Frisbee aufs Dach der Hütte der Besitzer und lassen sie dort, um eine Rückkehr sicherzustellen. Nacht. Dann: im Peugeot 504 mit sieben Sitzen zum Berg, 3750 Stufen rauf, gucken was geht und wieder ins Tal. Es gibt Hühnchen mit Reis, wir sitzen auf Kissen und trinken Tee. Schnorcheln, lesen, Quatsch machen. Nacht. Eingestiegen-ausgestiegen. Kairo.
""Hau rein man. <-> Es war wunderbar!"" Ein Abschluss: schwer zu finden, aber warum auch: Solche Dinge wirken nach.
Sunday, May 18, 2008
Sunday, May 4, 2008
Personentransport
Früher sind die Leute hier auf Kamelen geritten. Auf großen gemütlichen Kamelen sind sie durch die Wüste geritten und haben Datteln gegessen und dann ein Feuer gemacht und haben dann darauf Tee gekocht und dann gepennt und sind dann wieder aufgestanden um dahin zu reiten, wo sie nunmal hinwollten. Jaakob hat sich als alter Greis in einer ägyptischen Sänfte von Zwei Maultieren von Kaanan nach Kemet tragen lassen, genauer gesagt nach Gosen, wo ihn sein lange verlorener Sohnemann empfing. Dieser wiederum ist auf dem Nil in einer Barke unterwegs: Hinauf in den Süden nach Oberägypten oder hinab nach Unterägypten, im Norden, den Strecken, für die er auch das Boot von Amenhotep, die Barke "Stern beider Länder", häufiger ausgeliehen bekam.
Die Kurzstrecke innerorts wird heute (mit dem Taxi!) mit dem Eselswagen zurückgelegt. Je mehr Menschen dabei den Ort bevölkern, desto unglücklicher blickt der Esel drein. In Kairo sind sie Taxis: Alt, zerüttet, überansprucht. In den Oasen, wie in Siwa oder Bahariyya, eher gemütlich und besser genährt, immer mit dem Wagen am Geschirr. Das ist eine ganz erfreuliche Sache, weil man so immer mal wieder auf einen Eselwagen springen und sich nach Eselslaune irgendwo hinfahren lassen kann. So hat uns ein Esel netterweise von unserem Hotel bis vor die Treppe der Festung von Shali gefahren. Er wäre wohl auch gern noch ein Weilchen länger mit uns unterwegs gewesen, aber sein Besitzer kam uns stockschwingend hinterher! Ein anderer Wagen ist am Abend von den Kindern der Kaufleute erobert worden, die zu zwölft auf der Ladefläche saßen und herrlichen Radau machten, bis die Erwachsenen ihnen den Spaß neideten und sie Heim riefen. In den Beduinendörfern um die Oasenstädte lässt es sich am besten Esel sein. Da kann man mit etwas Geschick das Arbeiten ganz vermeiden, indem man einfach in die Ecke des Dorfes geht, in der keine Menschen sind und rumsteht, Sachen isst und immer trinkt, wenn einem danach ist.
Der Wüstenausflug wird heute im Jeep erledigt. Man kann auch noch Kameltouren machen, aber dazu fehlt die Zeit, weil wir eigentlich immer nur an verlängerten Wochenende unterwegs sind. Auf dem Weg in die Oasen sieht man oft wilde Kamele, die jetzt machen können, was sie wollen und mehr als eine Wüste voll mit Platz haben, der ihnen zur freien Verfügung steht. In der Weißen und der Schwarzen Wüste fährt Khaled, ein unwahrscheinlicher Draufgänger und der älteste Sohn des Hotelbesitzers Badry Khozam. Er weiß genau, wie breit das Auto ist, die Reifen sind, auf denen er unterwegs ist. Die weiße Wüste ist (wunderschön) wie eine große Steinplatte, aus der sowohl kleine Spitze Kanten, wie auch (wunderschön) haushohe, verrückt geschwungene, weiße Felsen ragen, in deren Formen man viele alte Bekannte wiederentdecken kann!
Rund um Siwa fahren uns Hamada und Fayez, zwei Beduinen vom einzigen arabischen Stamm aus der Ecke. Sie sind lebensfrohe Leute mit einem warmen Lächeln und feinen Sinnen. Während in Kairo jedes Wort gegen den Lärm der Stadt geschrien und oft mit einem smogbedingten Husten unterstrichen wird, sprechen die Beduinen ruhig, freundlich, in langen melodischen Sätzen und senken am Ende die Stimme und falten nickend die Hände. Außerdem sind sie schön! Hamada hat ein schmales Gesicht, kleine schwarze Augen und eine etwas längliche Nase, die aber im Bart aufgeht und nicht im geringsten stört. Natürlich sieht man ihnen an, dass sie in Wind, Sand und Sonne leben, aber es wirkt wunderbar, da in der Wüste ja keine Kanten, sondern weich geschwungene Kämme über die Sanddünen führen und ebenso auch die Falten um den Mund und auf der Stirn geformt sind. Wir baden in heißen und in kalten Quellen in der Wüste, die diesmal wirklich eine: eine Sandwüste ist. Pat hat jetzt 12 dicke Berber, mit denen wir in der heißen Quelle waren, als Freunde fürs Leben, weil er beim Werkannamlängstenunterwasserdieluftanhalten eigentlich gewann, sich aber mit allen anderen zusammen einig war, das der alte Achmed gewonnen hat und stürmisch von uns allen zu beglückwünschen ist!
Nach Siwa zu kommen ist ganz leicht. Vorausgesetzt, man hat eine ordentlich Portion Zeit! Mit dem Bus fahren wir nach Marsa Matruh am Mittelmeer, wobei während der sieben Stunden Fahrt abwechselnd trashige Filme auf dem Fernseher oder rauschende Gebete aus der Stereoanlage wackeln. Angekommen trinken wir Tee und gehen etwas Essen. Dann treffen wir Dina, die zuvor ein paar Tage am Strand verbracht hat und die keine Lust auf Busfahren hat. Also fragen wir einen Taxifahrer, was er denn dazu meint und fahren los. 300 km links an der Sonne vorbei und schon ist man dort. Zurück im Bus nach Alexandria. Von dort im Zug, der total ausgebucht ist, was bedeutet, das wir für unsere gemütlichen Sitzplätze im Zug Bakschisch zahlen müssen, was aber absolut in Ordnung ist. In Kairo angekommen, kämpft man sich an den Taxifahrern am Ausgang vorbei, läuft Richtung Straße und läuft an einer alten Frau vorbei, die Mitten im Verkehr steht, von einem Minibus dauerangehupt wird und dabei dreinblickt wie: ein Esel.
Die Kurzstrecke innerorts wird heute (mit dem Taxi!) mit dem Eselswagen zurückgelegt. Je mehr Menschen dabei den Ort bevölkern, desto unglücklicher blickt der Esel drein. In Kairo sind sie Taxis: Alt, zerüttet, überansprucht. In den Oasen, wie in Siwa oder Bahariyya, eher gemütlich und besser genährt, immer mit dem Wagen am Geschirr. Das ist eine ganz erfreuliche Sache, weil man so immer mal wieder auf einen Eselwagen springen und sich nach Eselslaune irgendwo hinfahren lassen kann. So hat uns ein Esel netterweise von unserem Hotel bis vor die Treppe der Festung von Shali gefahren. Er wäre wohl auch gern noch ein Weilchen länger mit uns unterwegs gewesen, aber sein Besitzer kam uns stockschwingend hinterher! Ein anderer Wagen ist am Abend von den Kindern der Kaufleute erobert worden, die zu zwölft auf der Ladefläche saßen und herrlichen Radau machten, bis die Erwachsenen ihnen den Spaß neideten und sie Heim riefen. In den Beduinendörfern um die Oasenstädte lässt es sich am besten Esel sein. Da kann man mit etwas Geschick das Arbeiten ganz vermeiden, indem man einfach in die Ecke des Dorfes geht, in der keine Menschen sind und rumsteht, Sachen isst und immer trinkt, wenn einem danach ist.
Der Wüstenausflug wird heute im Jeep erledigt. Man kann auch noch Kameltouren machen, aber dazu fehlt die Zeit, weil wir eigentlich immer nur an verlängerten Wochenende unterwegs sind. Auf dem Weg in die Oasen sieht man oft wilde Kamele, die jetzt machen können, was sie wollen und mehr als eine Wüste voll mit Platz haben, der ihnen zur freien Verfügung steht. In der Weißen und der Schwarzen Wüste fährt Khaled, ein unwahrscheinlicher Draufgänger und der älteste Sohn des Hotelbesitzers Badry Khozam. Er weiß genau, wie breit das Auto ist, die Reifen sind, auf denen er unterwegs ist. Die weiße Wüste ist (wunderschön) wie eine große Steinplatte, aus der sowohl kleine Spitze Kanten, wie auch (wunderschön) haushohe, verrückt geschwungene, weiße Felsen ragen, in deren Formen man viele alte Bekannte wiederentdecken kann!
Rund um Siwa fahren uns Hamada und Fayez, zwei Beduinen vom einzigen arabischen Stamm aus der Ecke. Sie sind lebensfrohe Leute mit einem warmen Lächeln und feinen Sinnen. Während in Kairo jedes Wort gegen den Lärm der Stadt geschrien und oft mit einem smogbedingten Husten unterstrichen wird, sprechen die Beduinen ruhig, freundlich, in langen melodischen Sätzen und senken am Ende die Stimme und falten nickend die Hände. Außerdem sind sie schön! Hamada hat ein schmales Gesicht, kleine schwarze Augen und eine etwas längliche Nase, die aber im Bart aufgeht und nicht im geringsten stört. Natürlich sieht man ihnen an, dass sie in Wind, Sand und Sonne leben, aber es wirkt wunderbar, da in der Wüste ja keine Kanten, sondern weich geschwungene Kämme über die Sanddünen führen und ebenso auch die Falten um den Mund und auf der Stirn geformt sind. Wir baden in heißen und in kalten Quellen in der Wüste, die diesmal wirklich eine: eine Sandwüste ist. Pat hat jetzt 12 dicke Berber, mit denen wir in der heißen Quelle waren, als Freunde fürs Leben, weil er beim Werkannamlängstenunterwasserdieluftanhalten eigentlich gewann, sich aber mit allen anderen zusammen einig war, das der alte Achmed gewonnen hat und stürmisch von uns allen zu beglückwünschen ist!
Nach Siwa zu kommen ist ganz leicht. Vorausgesetzt, man hat eine ordentlich Portion Zeit! Mit dem Bus fahren wir nach Marsa Matruh am Mittelmeer, wobei während der sieben Stunden Fahrt abwechselnd trashige Filme auf dem Fernseher oder rauschende Gebete aus der Stereoanlage wackeln. Angekommen trinken wir Tee und gehen etwas Essen. Dann treffen wir Dina, die zuvor ein paar Tage am Strand verbracht hat und die keine Lust auf Busfahren hat. Also fragen wir einen Taxifahrer, was er denn dazu meint und fahren los. 300 km links an der Sonne vorbei und schon ist man dort. Zurück im Bus nach Alexandria. Von dort im Zug, der total ausgebucht ist, was bedeutet, das wir für unsere gemütlichen Sitzplätze im Zug Bakschisch zahlen müssen, was aber absolut in Ordnung ist. In Kairo angekommen, kämpft man sich an den Taxifahrern am Ausgang vorbei, läuft Richtung Straße und läuft an einer alten Frau vorbei, die Mitten im Verkehr steht, von einem Minibus dauerangehupt wird und dabei dreinblickt wie: ein Esel.
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